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Mohsin Hamid : So wirst du stinkreich im boomenden Asien

Wer profitiert als erstes von den ganzen Ratgeber, die ein reiches Leben versprechen? Natürlich der Autor selber, den schließlich verdient er an den verkauften Büchern. Das ist die erste Lektion, die der Leser hier lernt. Der erste Tipp: „Zieh in die Stadt“. Das kranke Kind, das sich als Held entpuppen wird, hat Glück. Sein Vater nimmt ihn die Familie mit in die Stadt. Auch im nächsten Kapitel hat er Glück: er ist das dritte Kind und ein Junge, also darf er zur Schule gehen und muss die weder verlassen, um zu heiraten, noch um Geld zu verdienen, wie der ältere Bruder. Korruption herrscht überall, auch an der Uni, wo der Held später landet.

Der Held bleibt namenlos, das Land ebenso. Indien, Pakistan, Bangladesch, alles käme in Frage als Ort des Geschehens. Die einzelnen Kapitel sind immer einer Anweisung aus einem Selbsthilfebuch versehen: „Freunde dich mit einem Bürokraten an“, „Schrecke nicht vor Gewalt zurück“, aber auch privates gehört dazu: „Verlieb dich nicht“. Auf den gut 220 Seiten wird so das ganze Leben des Helden geschildert. Das kann natürlich nur mit großen Zeitabständen zwischen den einzelnen Kapiteln gehen. Einzelne Episoden aus dem Leben sind es, die geschildert werden und doch habe ich nichts vermisst – eine weitschweifige Geschichte hätte hier nur merkwürdig gewirkt. Vieles wird nicht erzählt, manches Mal wird etwas nur zwischen den Zeilen sichtbar, in einem kleinen Nebensatz. Und doch gibt es hier auch eine kleine Liebesgeschichte, trotz des Rates „Verlieb dich nicht“: das schöne Mädchen, das er als armer Junge kennen lernt, bleibt über Jahrzehnte hinweg immer präsent. Wie er ist auch sie getrieben vom Hunger nach Reichtum, wie er setzt sie sich durch. Eine Beziehung bleibt aber unmöglich.

Vieles in dem Buch wirkt ausgesprochen bissig, was aber mit Sicherheit auch genauso beabsichtigt war. Manches Mal ist es auch tragisch, wenn die Figuren so handeln, wie sie es nun mal tun – alles dient der Jagd nach noch mehr Geld, aber eine andere Handlungsweise hätte zum entsprechendem Charakter nicht gepasst. Solche Überlegungen blitzen immer wieder mal kurz auf, werden dann aber immer wieder gleich abgeblockt.

Einerseits hat mich das Buch gut unterhalten, aber andererseits ist mir als öfters das Lachen im Halse stecken geblieben. Und ich bin neugierig geworden auf die weiteren Romane von Mohsin Hamid.

OT: How to Get Filthy Rich in Rising Asia

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