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Andrus Kivirähk: Der Mann, der mit Schlangen sprach

Der junge Leemet lebt mit seiner Familie in einem Clan von Jägern und Sammlern im Wald. Er ist der Letzte, der die Sprache der Schlangen beherrscht, in der er mit den Tieren reden kann. Kreuzritter, Dorfbewohner und christianisierte Ackerbauern bedrohen die alte magische Welt des Waldes. Aber Leemet und seine Freundin, ein Otter, setzen alles daran, sie zu retten.

der mann der mit schlangen sprach

Lemeet und die Waldbewohner leben in einer fantastischen Welt, in der Frösche fliegen können, Läuse so groß sind, dass man auf ihnen reiten kann, und Bären eine Vorliebe dafür haben, Frauen zu verführen. Doch ihr zauberhafter Lebensraum ist bedroht: Die Menschen des Dorfes, die der Magie entsagt haben und stattdessen zum Christentum übergetreten sind, dringen immer tiefer in den Wald ein. Um Lemeets Welt zu retten, müsste der Nordlanddrache, eine Gottheit für Wohlstand und Schutz, wiedererweckt werden – von einer ganzen Schar von Waldbewohnern, die die Schlangensprache sprechen. Und Leemet ist der Letzte, der diese Sprache beherrscht.

Schauplatz dieses ungewöhnlichen Werkes ist Estland, von der Zeit her ist es im frühen Mittelalter angesiedelt. Die Menschen sind geteilt zwischen den Waldbewohnern und des Dorfbewohnern. Früher lebten alle Menschen im Wald, doch seit einiger Zeit kommen fremde Ritter, die einen fremden Glauben mitbringen. Leemet gehört zu den letzten Waldmenschen. Sein Onkel unterrichtet ihn in der Schlangensprache, denn mit der Sprache kann man mit den Tieren sprechen. Für die Dorfbewohner ist es eine Sprache des Teufels.

Die Welt des Waldes ist eine sehr skurrile. Wölfe werden als Haustiere gehalten und gemolken. Bären haben einen schlechten Ruf, sie verführen die Frauen und können nicht treu sein. Und die Welt des Waldes ist eine sehr kleine, denn immer mehr Menschen erliegen den Verlockungen des Dorfes und plagen sich fortan hinter dem Pflug.

Vieles wird extrem überspitzt dargestellt. Die Dorfbewohner werden als „Brotfresser“ dargestellt und Brot, sagt Leemets Mutter, das macht dumm. Sie bevorzugt Fleisch und mit Hilfe der Schlangensprache lockt sie die Tiere zu sich und schlachtet sie dann. Fleisch essen wird als etwas gutes, natürliches dargestellt. Manches wirkt eher märchenhaft, allerdings ist es kein Märchen für Kinder – dazu ist die Stimmung in dem Buch viel zu düster. Außerdem ist es ausgesprochen blutig – es wird sehr viel gemordet in dem Buch, aber teilweise einfach nur aus Spaß, ohne an die Folgen zu denken. Und so hinterlässt mich das Buch auch irgendwie ratlos. Die groben Daten aus der estnischen Geschichte stimmen übrigens durchaus – die Esten werden christianisiert, die Bauern sind danach Leibeigene, Ritterorden beherrschen das Land. Trotzdem hat mir an de Buch einiges gefehlt, mir war es zu extrem, zu blutig, zu abgedreht – auch Fantasy muss logisch sein und das war hier leider nicht der Fall. Schade.

OT: Mees, kes teadis ussisõnu

5 Comments

  1. Nach all den begeisterten Rezensionen bin ich ganz froh, dass deine Meinung nicht so überschwänglich ist. Obwohl ich den estnischen Hintergrund interessant finde, hat mich die Details, die ich über die Handlung mitbekommen habe, überhaupt nicht gereizt. Aber ich habe mich trotzdem die ganze Zeit gefragt, ob ich nicht vielleicht etwas verpassen würde. Jetzt kann ich den Titel unbesorgt von der „vielleicht doch noch mal anschauen“-Liste streichen. ;)

    • Ich mag es ja gerne, wenn Fantasy mal andere Wege geht und Estland als Hintergrund fande ich ich sehr spannend. Naja, das Ergebnis war jetzt nicht so meins. Zum Glück für mich war es ein Leihbuch. ;)

      • Ja, das waren auch die beiden Punkte, die ich interessant fand. Aber die Handlung selber klang weniger reizvoll und das bestätigst du mir ja. :)

  2. Ich habe das Buch auch kürzlich über Tausch bekommen können und möchte es unbedingt in 2018 lesen. Auch vor Deiner Rezi hatte ich schon gemischte Gefühle, aber die nordischen und östlichen Geschichten sind ein bisschen anders als das, was man sonst so vorgesetzt bekommt, was man mögen muss. Vielleicht ist es also nur das gewesen? Das werde ich hoffentlich bald selbst merken :)

    • Kann natürlich sein, das ich mich estnischer Fantasy nichts anfangen kann – ich muss auch zugeben, das ich über die Sagen dort überhaupt nichts weiß. Russische Fantasy mag ich gerne, aber die ist nochmal anders.
      Ich bin auf jeden Fall gespannt, was du von dem Buch halten wirst!

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