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Fran Cooper: Die Leute von Nr. 37

„Hm, Paris. Das klingt doch nett, bestimmt ein schönes Buch für den Urlaub. Hoffentlich ist es nicht kitschig. Aber egal, ich nehme es mal mit.“ Ungefähr so müssen meine Überlegungen gewesen sein, als ich das Buch in meiner Bücherei entdeckt habe. Locker leichte Lektüre sollte es sein, hoffentlich aber nicht zu seicht. Und soviel sei schon verraten: Seicht ist es definitiv nicht!

Das Haus Nr. 37 steht in einem Pariser Vorort und ist weit weg von dem typischen Pariser Flair. Es ist ein altes Mehrfamilienhaus. Man kennt sich, grüßt sich kurz im Treppenflur und sonst geht jeder seine eigenen Wege. Die Menschen gehören der Mittelschicht an, es sind unterschiedliche Berufe und Altersschichten vertreten. Aufregung kommt aber ins Haus, als bekannt wird, das die leere Wohnung in der dritten Etage an ein muslimisches Paar verkauft wird.

Das Paris in dem Buch hier ist bei weitem nicht das klischeehafte Paris, in dem man lächelnd ständig Baguette tragend durch die Straßen geht. Es ist ein Paris, in dem die Trennung zwischen den Bevölkerungsgruppen sehr streng ist, in dem die Front National aktiv ist, in dem Nazis durch die Straßen grölen, in dem alle Menschen, die nicht in deren Schema passen, Angst haben. Wut beherrscht viele Menschen, vor allem Fassungslosigkeit über die Ereignisse, die Stimmung.

Im Haus Nr. 37 gibt es Menschen aus allen Lagern – da gibt es das muslimische Paar, das hier in der ersten Wohnung ihre Kinder großziehen will. Es gibt verbitterte Menschen, die das Gefühl haben, das ihnen etwas im Leben vorenthalten wird, etwas, das ihnen rechtmäßig zusteht. Es gibt aber auch Menschen, die mit anderen Problemen so beschäftigt sind, das sie kaum die Kraft haben, anderes zu registrieren. Und es gibt Menschen, die entsetzt sind und sich fragen, wo dieser Hass her kommt.

Die Erzählperspektive wechselt immer wieder, den der Verlauf der Ereignisse wird aus der Sicht verschiedener Bewohner geschildert. Es ist heiß und stickig, die Zeit scheint fast zu stocken und trotzdem geht es weiter mit dem Buch. Diese Hitze, die gefühlt langsame Entwicklung im Roman, das alles passt wunderbar zusammen. Irgendwie wirkt die Erzählung träge, auch wenn gerade der Front National rechte Parolen an den Bewohnern vorbei marschiert – ein Gefühl der Unwirklichkeit, das die Bewohner da befällt und das vom Buch perfekt zum Leser transportiert wird.

Fran Cooper hat mich damit auf jeden Fall schon sehr neugierig gemacht auf ihre weiteren Werke!

OT: These Dividing Walls

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