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Shamini Flint: Die tödliche Familie Lee

Kuala Lumpur, Malaysia. Die Stadt steht Kopf. Chelsea Lee soll ihren Mann getötet haben. Die beiden gehörten zu High Society – Alan Lee war Geschäftsmann und Playboy, seine Frau ein ehemaliges Model. Gerüchte besagen, das Chelsea von ihrem Mann misshandelt wurde. Auf jeden Fall lieferten die beiden sich einen erbitterten Streit um das Sorgerecht, weshalb Alan sogar zum Islam übertrat – sollte seine Frau ihn deshalb erschossen haben?

Weil Chelsea im Gegensatz zu ihrem Mann die singapurische Staatsangehörigkeit hatte, schickt Singapur Inspektor Singh nach Malaysia. Er soll dafür Sorgen, das alles seine Ordnung hat und Chelsea nicht unschuldig verurteilt wird. Und tatsächlich gibt es neben Chelsea viele weitere Verdächtige – andere Familienmitglieder, Geschäftspartner, die Liste ist lang.
Inspektor Singh ist ein übergewichtiger Sikh, der mit der Polizei in Singapur schon seit einiger Zeit hadert. Seine Vorgesetzten hätten es zu gerne, wenn er in den Vorruhestand geht, seine Frau nervt ihn und der Fall mit dem früheren Model – unmöglich, da zu gewinnen. Was soll er als Polizist im Ausland, ohne Befugnisse, misstrauisch von der einheimischen Polizei beäugt, schon ermitteln?

„Die tödliche Familie Lee“ ist der erste Fall von (bisher?) 7 Bänden, die sich um die Arbeit des Inspektor Singh drehen. Wenn man den Untertiteln der weiteren Bücher folgt, dann scheint der arme Mann seine Stadt öfters verlassen zu müssen, aber fast immer bleibt der Schauplatz dabei in Asien. Hier ist es also Kuala Lumpur – eine laute, hektische Stadt, in der jeder heftige Regen zu Überschwemmungen führt, eine Stadt, die so viel dreckiger als das heimische Singapur ist. Dabei werden Klima und auch das Essen ausführlich geschildert, aber auch die unterschiedliche Bevölkerungen mit den verschiedenen Sprachen – so gehört die Familie Lee zu den Auslandschinesen, die etwas ein Viertel der Bevölkerung stellen. Die Mehrheit im Land sind aber die Malaien, die Muslime sind. Dies führt u.a. auch zu verschiedenen Rechtssystemen, die parallel agieren – so gibt es neben dem zivilstaatlichen Gerichten auch noch die Scharia, die immer dann eintritt, wenn es sich um Angelegenheiten handelt, die einen Moslem betreffen – dass das spätere Opfer Alan sich plötzlich zum Islam bekannte, macht es nur noch komplizierter. Doch es bleibt nicht nur bei unterschiedlichen Systemen, auch der Umweltschutz hat seine Bedeutung in dem Fall – schließlich verdient die Familie Lee mit der Abholzung des Regenwaldes ihr Geld.

Das Buch bietet theoretisch von allem etwas: Glamour, Familiendrama, schmierige Geschäfte, Polizeigewalt, konkurrierende Gerichte, eine zerstörte Umwelt und vertriebene Einheimische. Trotzdem – oder gerade deshalb – fand ich die Handlung manchmal fast zu schleppend. Es gibt zu viele Motive, zu viele Verdächtige, so das die Polizei und damit auch der Leser es schwer hat, einem roten Faden zu folgen. Andererseits machte es das für mich damit auch unmöglich, dem Täter auf die Spur zu kommen – ich habe im Laufe des Buches ähnlich wie die ermittelnden Beamten verschiedene Verdächtige für den Täter gehalten, nur um das ganze ein paar Seiten zu verwerfen. Das Ende fand ich dann aber sehr schlüssig. Es gibt keinen großen Showdown am Ende, was aber auch nicht zu der eher ruhigen Beschreibung des Kriminalfalles passen würde.

Auf jeden Fall eine reizvolle Krimserie, die ich weiter im Auge behalten möchte.

OT: A Most Peculiar Malaysian Murder

3 Comments

  1. Konstanze

    Das klingt gut und interessant und ist somit schon mal auf dem Merkzettel für die Bibliothek gelandet! Danke für die Rezension. 🙂

      • Konstanze

        Sie haben es nicht nur vorrätig, es ist sogar verfügbar – was das Problem ist, denn wenn es ausgeliehen wäre, hätte ich es gleich vormerken können. ;)

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