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Shahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren

Eine Liebesgeschichte schreiben! Wie schön wäre das, denkt sich der iranische Schriftsteller. Und leider unmöglich, denn der Zensor  Herr Petrowitsch wacht genau über die Literatur, die Schriftsteller und ihre Gedanken. Wie können sich Sara und Dara so treffen, sich kennen lernen, wenn sie sich doch offiziell nie sehen dürfen?

Das Buch spielt sich auf drei verschiedenen Ebenen ab. Da ist zu einem die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Paar in Teheran. Dann ist da der Schriftsteller, der versucht diese Geschichte zu schreiben. Doch beim Schreiben muss er aufpassen, das er die Geschichte so schreibt, das es dem mächtigen Zensor gefällt. Und schließlich berichtet der Schriftsteller aus seinem eigenem Leben. Das alles wird zu einem spannendem, aber auch recht anspruchsvollen Roman zusammengeführt. Verschiedene Elemente der Textgestaltung helfen, sich in der Geschichte zurecht zu finden. So gibt es dick gedruckte und durchgestrichene Abschnitte. Während des Schreibens zensiert sich der Schriftsteller ständig selbst, denn es gibt vieles, was er nicht schreiben darf. Wo sollen sich die beiden zukünftig Liebenden überhaupt treffen? Offiziell gibt es schließlich eine strenge Trennung der Geschlechter. Gleichzeitig unternimmt der Autor immer wieder Ausflüge in die Vergangenheit des Irans, in das frühere Persien, wie es vor hunderten Jahren war. Denn die Erinnerung an die reichhaltige Kultur damals ist im Gegensatz zur Moderne nicht verboten, bzw. wird mit weniger Misstrauen beäugt.

Vieles erscheint uns einfach absurd. Und das weiß der Autor auch, er wendet sich nämlich direkt an seine westlichen Leser. Und als wenn die Realität nicht schon absurd genug sein könnte, werden auch noch einige fantastische Elemente eingeflochten. Diese spielen für die eigentliche Erzählung nur eine geringe Rolle, unterstreichen aber so nochmal die aberwitzige Macht im Iran.

Anmerkung: Die deutsche Übersetzung wurde nicht aus dem persischen, sondern aus der englischen Übersetzung heraus übersetzt – auf Wunsch des Autos, wie es im Buch vermerkt wurde. Im Iran konnte das Buch bisher übrigens nicht erscheinen.

OT: Censoring an Iranian Love Story

7 Comments

  1. Das klingt sehr interessant mit all den verschiedenen Ebenen.
    Wird im Buch auch vermerkt, weshalb die deutsche Fassung aus dem Englischen heraus wurde?

  2. Konstanze

    Das klingt wirklich faszinierend, wenn auch nicht gerade einfach zu lesen. Ich packe mir das Buch mal auf die Bibliotheksmerkliste und schaue, ob ich mich demnächst auf eine etwas kompliziertere Lektüre einlassen mag. Auf jeden Fall ist es schön, dass du wieder so einen ungewöhlichen Titel ausgegraben und besprochen hast. Ich mag deine Buchtipps. :)

    • Ui, deine Bücherei hat das Buch sogar im Bestand?

      Das ich auf diesen Titel gekommen bin, verdanke ich dem Verlag und der WM. Wegen letzterer hat der Unionsverlag nämlich im Sommer Buchtipps passend zu den jeweiligen Länderspielen getwittert und das klang so interessant, das ich es gekauft habe. ;)

      • Konstanze

        Jupp, hat sie! Ich war eben auch ziemlich überrascht, als ich es da sah, freu mich aber auch sehr darüber.

        Das war doch mal eine spannende Verlagsaktion zu so einem Ereignis und die erhoffte Wirkung hatte sie auch noch auf dich. Sehr cool!

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