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Morten Ramsland: Die Legende vom goldenen Ei

Vor mehreren Jahren las ich „Hundsköpfe“ und war begeistert. Was für ein herrlich verrücktes Buch! Dann kam „Sumobrüder“ und ich war angeekelt. Bäh, wie widerlich. Flog im hohen Bogen aus meinem Regal. Und nun ist ein neues Buch erschienen – ein Buch, mit einem seltsamen Klappentext, der mich durchaus zweifeln ließ, aber ich wünschte mir so sehr ein absurd-schräges Buch…tja.

Erzählt wird die Familiengeschichte des Jungen. Gleich auf der ersten Seite versinkt das Kind im Moor und hat dort eine erste Begegnung mit einem Zwerg, einem Kuttenträger. Keine Halluzinationen, wie die verzweifelte Mutter glauben will, sondern eine Begegnung mit den Urahnen der Familie. Schließlich bringt die Mutter das Kind zum Großvater, der auch schon immer solche verrückten Geschichten erzählte. Und der Großvater erzählt – vom König, der die Vorfahrin Tora schwängerte und dabei das goldene Ei verlor. Das Ei, das vergraben und wieder ausgegraben wurde. Er erzählt von Sten, dem Zwerg und von Freja, die die Pest überlebt, von lebendigen Steinen, seltsamen Ritualen und immer wieder taucht das Ei auf.

Das Setting ist bäuerlich, ein dänisches Dorf im Moor im Mittelalter und ja, Ramsland schildert hier ein wahrlich finsteres Mittelalter. Auf der einen Seite gibt es das Christentum, auf der anderen Seite ist das alte Aberglauben noch lebendig und was eine Mutter ihrem Kind antut, von dem sie glaubt, das die Erlenmutter es vertauscht hat, ist mehr als grausam.

Es geht deftig und voller Gewalt zur Sache – sowohl beim Sex, als auch in der Sprache, in den Handlungen. In gewisser Weise erinnert es mich an „Der Mann, der Schlangen sprach“ – nicht ganz so phantastisch, aber es ist beides Mittelalter, beides Nordeuropa (hier Dänemark, dort Estland), in beiden Romanen geht es auch um das Verhältnis zwischen Christentum und den alten, germanischen Sagen. Im Unterschied gibt es hier aber immer wieder auch Abschnitte, die in der Gegenwart spielen, wenn der Junge seinen Großvater besucht. Diese nehmen zwar nur sehr wenig Raum ein, sind aber für die Handlung wichtig.

Mir gefiel das Buch leider gar nicht. Die Handlung war mir zu abgedreht, zu verworren. Vor allem habe ich aber ein Problem mit der Gewalt, die hier ziemlich derbe und lakonisch geschildert wird. Ich weiß, das es zu allen Zeiten Gewalt gegeben hat (und geben wird), aber ich mag einfach keine genauen Schilderungen der Gewalthandlungen. Und um den Autor werde ich in Zukunft einen Bogen machen.

OT: Æg

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