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Natasha Solomons: Als die Liebe zu Elise kam

Die Familie Landau gehört in Wien zum Kreise der Intellektuellen und Künstler. Der Vater ist Schriftsteller, die Mutter und die ältere Schwester sind Musikerinnen. Religion spielte bisher nur eine sehr untergeordnete Rolle. Doch als Juden im Jahre 1938 dürfen sie nicht mehr auftreten, die Bücher des Vaters werden nicht mehr gedruckt, die Wertgegenstände im Hause verschwinden langsam. Um das Land zu verlassen, müssen sie sich trennen. Für Elise, der jüngeren Tochter, die über keinerlei musische Begabung verfügt, bleibt nur eines: eine Anstellung als Hausmädchen in England. Sie tritt eine Stelle in Tyneford Hall an, ein prächtiges Herrenhaus an der Südküste Englands.

Sehr eindringlich schildert die Autorin das Leben in dem englischen Herrenhaus. Die unendliche Arbeit, die so ein großes Herrenhaus macht. Die strengen Regeln, denen sich das Mädchen plötzlich unterwerfen muss – so muss sie z.B. ihre Haare kurz schneiden, ein anständiges Hausmädchen hat eben keine langen Haare zu haben. Das Haus selber ist sehr abgelegen, Besucher kommen nur selten. Und wenn, dann ist der Umgang schwierig – eine österreichische Jüdin, die den englischen Damen aufwarten soll? Die Damen finden das merkwürdig und so betrachten sie Elise auch.

Das Buch ist aber kein Abklatsch von Downton Abbey, auch wenn es teilweise so angepriesen wird. Die Zeit ist eine andere und der Fokus liegt nicht so sehr auf dem Haus und seinem Personal, sondern auf Elise. Es ist aber auch keine Liebesgeschichte – Liebe spielt durchaus eine Rolle, aber in erster Linie ist es eine Geschichte über Verlust. Elise verliert alles – ihre Familie, ihre Heimat. Auch in der neuen Heimat gehen die Enttäuschungen weiter und nicht nur Elise ist davon betroffen, sondern schließlich das ganze Dorf. Der Krieg dringt auch in diesen abgelegenen Landstrich vor und fordert Opfer. Es gibt kaum noch Personal, die Lebensmittel sind knapp und dazu kommt die ständige Sorge um die Familie, die teilweise noch in Österreich festsitzt.

Ich empfehle unbedingt, nach dem Roman auch das Nachwort der Autorin zu lesen. Darin geht sie u.a. auf die Figur der Elise ein, bei der sie sich von ihrer Großtante inspirieren ließ. Wie Elise musste auch ihre Großtante ihre Heimat verlassen und als Hausmädchen in England arbeiten. Außerdem geht die Autorin auch noch die Geschichte des Dorfes und des Herrenhauses ein. Denn auch hier hat sie sich inspirieren lassen, diesmal von Tyneham House. Das Haus und das gleichnamige Dorf liegen an der Südküste in Dorset und wurden von der britischen Armee beschlagnahmt. Es dient auch heute noch als Truppenübungsplatz, man kann es aber zeitweise besichtigen – wobei das Haus selber im „Off Limits“ Bereich liegt.

Sehr empfehlenswert!

OT: The Novel in the Viola

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