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Natalia Ginzburg: So ist es gewesen

Natalia Ginzburg gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Italiens. Ihre Biografie ist mit Sicherheit sehr interessant – ich habe mich aber zunächst für eine ihrer Erzählungen entschieden. Mit 96 Seiten ist es dünnes Buch, das sich bestimmt schnell lesen, dachte ich. Im Nachhinein kann ich mir auch nicht erklären, warum ich dann doch eine Woche gebraucht habe.

„Ich habe ihm in die Augen geschossen.“

Bereits nach den ersten Sätzen wird klar, das es sich hier um eine tragische Geschichte handelt. Eine Beziehung, deren Ende am Beginn des Buches steht. Die Frau erschießt ihren Mann. Danach zieht sie ihren Mantel an und während sie durch die Stadt irrt, erfährt man als Leser die Hintergründe der Tat. Der Mann, wesentlich älter, liebte eigentlich eine andere Frau. Trotzdem heirateten sie beide, ein Kind gab es, das jedoch starb.

Die Erstausgabe erschien 1947. Die Frau ist Lehrerin, hatte noch nie einen Freund und so ist der erste Mann, der freundlich zu ihr ist, der ihr Aufmerksamkeit schenkt, auch jemand, den sie eigentlich als Partner nicht akzeptieren kann. Zu alt ist er, zu klein, zu alles. Aber er ist da und schließlich verliebt sie sich – oder ist ein verlieben in die Idee, eine Ehefrau zu sein, ein eigenes Haus zu haben? Als Lehrerin wohnt sie schließlich in einer Pension, ist nie alleine, muss sich immer mit den andere Bewohnern arrangieren. Natürlich wirken hier auch die früheren Moralvorstellungen. Die Frau, die ihr Mann liebt, diese ist selber vergeben, gefangen in einer Ehe, eine Scheidung kommt für keinen der Beteiligten in Frage. Und wenn die Erzählerin und ihr Mann mit dem Gedanken an eine Trennung spielen, so ist diese nach dem Tod des Kindes wieder vom Tisch. Denn nun muss man sich gegenseitig trösten, vielleicht ein neues Kind…

Das Buch erzählt die Geschichte in einfachen, fast schon monotonen Sätze. Es gibt viele Wiederholungen – sonst eher ein Ärgernis, hier jedoch die Aussichtslosigkeit, die Melancholie bestärkte. Die merkwürdige Unbeteiligtheit, mit der die Geschichte erzählt wird, verstärkt nur die Eindringlichkeit des Buches. Ein wirklich faszinierendes Buch, das nachwirkt.

OT: È stato così

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