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Ricarda Huch: Der letzte Sommer

Russland, 1905: Die Familie von Rasimkara verbringt ihren Sommer auf dem Gut in der Nähe der Hauptstadt. In Petersburg gärt es, der Prozess gegen die Anführer der Studentenrevolte steht kurz bevor. Das Familienoberhaupt ist Gouverneur und mit seiner unbeherrschten Art ein Feind der Studenten. Seine Frau macht sich nach dem Erhalt eines Drohbriefes große Sorgen und so wird auf ihren Drängen hin der junge Lju eingestellt – offiziell als Sekretär, inoffiziell als Leibwächter.

Die kurze Geschichte ist als Briefroman konzipiert. Die drei erwachsenen Kinder und die Eltern schreiben an Freunde und Verwandte. Lju schreibt ebenfalls – an seine mit ihm verschworenen Feinde des Gouverneurs. Von Anfang ist also dem Leser klar, dass die Familie sich mit dem vermeintlichen Beschützer den Feind direkt in das eigene Haus geholt hat. Lju beschreibt die Familie und auch das weitere Personal in seinen Briefen. Jegor, der Gouvenor: völlig ahnungslos, hat sich nur deshalb einen Sekretär geholt, um seine Frau Lusinja zu beruhigen. Diese wiederum ist zunächst auch sehr beruhigt. Solange Lju auf ihren Mann aufpasst, solange kann nichts geschehen. Eine der beiden Töchter schwärmt sogar für Lju, wie sie schließlich in einem Brief an ihre Tante zugibt.

Die Stimmung in dem Buch ist anfangs sehr unbeschwert, fröhlich. Nach der Ankunft des vermeintlichen Beschützers sind alle Bedenken verflogen. Die Kinder sympathisieren sogar teilweise mit den Studenten. Die Schließung der Universität betrifft schließlich vor allem die armen Studenten – die reicheren, adligeren können immer noch ins Ausland gehen und weiter an der zukünftigen Karriere arbeiten, wird dem Vater vorgehalten. Fast unmerklich ändert sich die Stimmung, wird düsterer, angespannter. Die Beschreibungen der Charaktere und vor allem der Stimmung ist hervorragend gelungen. Und auch wenn es kein Krimi ist, son ist es doch spannend: wird der Anschlag gelingen? Oder wird Lju doch noch rechtzeitig enttarnt?

Es gibt verschieden ebook Ausgaben. Ich habe es mir einfach gemacht und mich für die preiswerteste Ausgabe für 0,99 € aus dem Verlag eClassica entschieden.

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