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Shamini Flint: The Singapore School of Villainy

Singapur ist entsetzt: ein ausländischer Rechtsanwalt wurde in seiner eigenen Kanzlei ermordet. Für die Regierung eine Katastrophe, ist man in Singapur doch stolz auf die außerordentlich niedrige Kriminalitätsrate. Natürlich wird Inspektor Singh mit den Ermittlungen beauftragt. Besonders glücklich ist er darüber nicht, denn ein Mord an einem Ausländer bedeutet Ermittlungen unter den besorgten Augen seiner Vorgesetzten. Dafür wird er mit einem so hohen Stab an Mitarbeitern ausgestattet, so dass er kaum weiß, was er mit den ganzen eifrigen, aber in Mordermittlungen unerfahrenen Kollegen machen soll.

Die Inspektor Singh Reihe umfasst bisher sieben Bände, die ersten beide (Rezension Band 1 / Band 2) gibt es auch in deutscher Übersetzung, weitere Übersetzungen scheinen aber nicht geplant zu sein. Während Singh, der übergewichtige Sikh mit einer Vorliebe für Essen und Bier von seinen Vorgesetzen gerne auf Reisen geschickt wird, muss er diesmal also zu Hause ermitteln. Noch dazu ist einer der Verdächtigen ein entfernter Verwandter seiner Frau.

Mord scheint in den Augen der Polizeiführung etwas unsauberes zu sein, etwas, das „anständigen“ Menschen nicht betrifft. So träumt auch fast kein Polizist davon, Mordermittler zu werden, Wirtschaftsverbrechen wirken im Vergleich dazu sauberer. Das dürfte schon ein Grund sein, warum Singh nicht sonderlich beliebt bei seinen Vorgesetzten ist. Morde sind ein dreckiges Geschäft und jemand, der sich darauf spezialisiert hat, der muss auch irgendwie dreckig sein. Dazu kommt sein äußeres, das sich durch recht saloppe Kleidung auszeichnet, seine Figur, das alles wirkt nicht sonderlich angepasst.

Die Ermittlungen, die Zeugenvernehmungen werden fast ausschließlich in der Kanzlei selber durchgeführt, was leider dafür sorgt, das man nicht besonders viel über die Umgebung erfährt. Dafür gibt es mehr Einblick in die Arbeitsweise der internationalen Kanzleien, aber natürlich auch in die Polizeiarbeit in Singapur und in das rigide Strafrecht, das Singapur besonders im Umgang mit Drogen verfolgt. Und es gibt Einblicke in eine Gesellschaft, die große Unterschiede im Umgang mit den Menschen macht – die weißen Expats müssen mit Samthandschuhen angefasst werden. Für die Witwe, die vor kurzem noch das philippinische Hausmädchen war, gilt das nicht. Man merkt der Autorin an, das sie früher als Anwältin tätig war, man merkt ihr an, das sie in Singapur lebt.

Alles im allem ist der dritte Teil der Serie wieder ein solider Krimi geworden, der interessante Einblicke in Singapur bietet. Allerdings war mir Singh zu sehr „Elefant im Porzellanladen“, zu sehr trampelte er auf seine Mitmenschen herum. Und gleichzeitig, bei den ganzen Ermittlungen scheint er letzten Endes mehr durch Glück als durch Arbeit die Lösung zu finden. Schön dargestellt fand ich dagegen die Einblicke, die man in die (arrangierte) Ehe von Singh bekommt. Definitiv eine Serie, die ich weiter verfolgen möchte – im nächsten Fall geht es dann nach Kambodscha.

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