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Erika Fatland: Die Grenze

Es gibt selten Bücher, die ich noch vor dem Erscheinen auf meine Wunschliste setze. Sehr selten. „Die Grenze“ war eines davon. Das Erika Fatland interessant schreiben kann, das wusste ich schließlich schon. Und die Idee des Buch, die Beschreibung einer Reise um Russland herum – großartig. Und ich kann schon sagen, die Umsetzung ist extrem gelungen!

Die Reise geht durch vierzehn Staaten, autonome Gebiete wie Bergkarabach nicht mit gerechnet. Und bis auf Norwegen waren alle diese Staaten in der Vergangenheit in Kriege mit Russland verwickelt, waren besetzt bzw. Bruderstaaten. Und die Grenze ist in Bewegung – auch heute noch, wie wir in der Ukraine sehen.

Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt: Das Meer, Asien, Kaukasus und Europa. Wobei es sich beim ersten Teil um die Beschreibung der Nordostpassage handelt und dieser Abschnitt wesentlich weniger abenteuerlich ist als der Rest der Reise.

Es sind einzelne Geschichten und Begegnungen, die sie schildert. Darunter das Paar, dessen Haus über Nacht plötzlich in einem anderem Staat steht, die alte jüdische Frau, die das Ghetto in Minsk und die Stalinzeit überlebt hat, den Obertonsänger in der Mongolei, überquert das Schwarze und das Kaukasische Meer. Manchmal scheitert sie auch mit ihren Vorhaben – den russischen Weltraumbahnhof Baikonur, der sich inzwischen in Kasachstan befindet, sieht sie trotz aller Bemühungen nicht. Neben den Begegnungen vor Ort erzählt sie aber auch die Geschichte der Orte. Viele spannende Dinge, die mir zum größten Teil vorher unbekannt waren, obwohl ich mich generell für russische Geschichte interessiere. Und obwohl sie während der Reise kaum einen Fuß auf russischen Boden setzt, ist Russland immer präsent, immer im Hinterkopf. Mit dem Blick von außen erzählt sie auch eine Geschichte Russlands und vor allem von den Auswirkungen der russischen Politik auf die Menschen hatte und hat.

Insgesamt fand ich das Buch nachdenklicher als „Sowjetistan“ es war. Immer wieder reflektiert sie frühere Besuche in den entsprechenden Regionen, stellt fest, das sie mit anderen Erfahrungen manche Dinge anders sieht. Und wie oft ist es bei Reisen auch das persönliche Befinden, auf das es ankommt: Ist das Wetter schlecht, die Menschen unfreundlich, man selber müde, unausgeschlafen – zack, schon fühlt man sich unwohl und sagt sich, nein, die Stadt gefällt mir nicht. So ist sie nun mehrfach erstaunt, weil manche Orte viel herzlicher wirken als beim letzten Besuch – oder umgekehrt.

Definitiv eine dicke Leseempfehlung!

OT: Grensen

3 Comments

  1. Konstanze

    Ich bin ja wirklich gespannt, ob mir das Buch genauso gut gefällt. Gerade die „persönlichen Befindlichkeiten“ können mich ja schnell aus so einem Reisebericht raus und zum grummeln bringen. ;) Bis zum 17.12. muss ich das Buch gelesen haben, verlängern kann ich den Titel in der Bibliothek nicht, da schon zu viele weitere Vormerkungen dafür vorhanden sind. *g*

    • Immer mag ich das auch nicht, aber gerade hier fand ich es ganz passend. Es ist jetzt auch nicht so, das sie die ganze Zeit jammert, sondern einfach merkt, das sie manche Städte/Gegenden früher anders wahrgenommen hatte.
      Ui, dann hoffe ich, du schaffst es zu Ende zu lesen, bis du es wieder abgeben musst!

  2. Pingback: Erika Fatland: Die Grenze – Eine Reise rund um Russland … – ALLES AUẞER LYRIK

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