comment 0

Héctor Abad: La Oculta

Die alte Ana Ángel ist gestorben – auf La Oculta, der Finca der Familie in den kolumbianischen Bergen. Ihre Familie will Abschied nehmen, vor allem die drei erwachsenen Kinder Pilar, Eva und Antonio.

Die drei Kinder sind sehr unterschiedlich. Pilar, konservativ, gläubig, traditionell. Eva, Feministin, freiheitsliebend. Und Antonio, für den Kolumbien zu eng wurde und der nach New York ging. Abwechselnd erzählen diese drei verschiedenen Personen aus ihrer Sicht die Geschichte von La Oculta. Antonio konzentriert sich dabei auf die Vergangenheit der Familie, er berichtet über ihre Anfänge in Kolumbien: wer wann wen heiratete und wann starb, wer Glück und wer Pech hatte. Pilar und Eva erzählen dagegen aus der jüngeren Geschichte der Familie und der Finca – eine Abfolge von glücklichen Ehen und kurzen Beziehungen, vor allem spiegelt sich auf La Oculta aber auch die Geschichte des Landes wieder, die teilweise sehr gewalttätig war. So hat die Finca auch Morde, Folter und Entführungen erlebt. Trotzdem hält gerade Pilar an La Oculta fest, obwohl die Familie mehrere Jahre dort nicht leben kann – zu gefährlich sind die Rebellen, die Paramilitärs, die Drogenmafia.

Eine Familie, die nach dem Tod eines Elternteiles zusammenkommt um Abschied zu nehmen – das ist wahrlich nicht neu. Trotzdem fand ich den Anfang wirklich interessant, vor allem die Abschnitte, in denen Eva über ihre Flucht aus der Finca berichtet. Leider fand ich andere Abschnitte dafür um so schwerfälliger erzählt, vor allem, wenn Antonio über die Familie berichtet. Dummerweise fand ich auch Antonios Überlegungen, warum er sich so sehr für die Vergangenheit interessiert genauso langweilig.

Pilar dagegen wirkt am Anfang etwa bieder und einfach. Im Laufe des Buches wird sie immer unsympathischer, ihre Handlungen scheinheilig und für mich ist dieses ganzes Gerede davon, das der Boden wichtiger als die Menschen sind einfach nur furchtbar. Andererseits ist ihre Geschichte immerhin nicht langweilig erzählt – ich mag sie nicht, aber ich muss sie ja auch nicht mögen, um das Buch zu lesen.

Insgesamt ist das ein Buch, bei dem ich teilweise den Eindruck hatte, das es von verschiedenen Autoren geschrieben wurde – vielleicht aber zu verschiedenen Zeiten, so das es sich fremd anfühlt, als wenn die einzelnen Erzählstränge nicht richtig zusammen passen, obwohl man die Bemühungen durchaus merkt.

OT: La Oculta

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.