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Rebecca Wait: Das Vermächtnis unserer Väter

Eines Tages nach dem Abendessen holt John seine Schrottflinte und erschießt seine Frau, zwei seiner Kinder und schließlich sich selbst. Tommy, das dritte Kind überlebt, versteckt im Kleiderschrank. Er zog einige Zeit nach dem Mord weg und nun, nach 20 Jahren kehrt er zurück – und steht plötzlich bei seinem Onkel Malcolm vor der Tür.

Schauplatz ist Litta – eine fiktive Insel der Äußeren Hebriden vor der schottischen Westküste. Hier gibt es nicht viel – eine Handvoll Menschen, Heide, Wind. Die meisten Familien leben hier schon seit vielen Generationen. Niemand hätte eine solche Tat für möglich gehalten. Die Bewohner können und wollen es nicht glauben, doch die Ermittlungen der Polizei sind eindeutig. Doch mit der Zeit ist der Mord nicht mehr so präsent in den Erinnerungen der Bewohner. Umso größer der Schock, als der inzwischen erwachsene Tommy eines Abends plötzlich auf der Insel auftaucht und bei seinem Onkel wohnt. Auch der weiß nicht, was er mit seinem Neffen anfangen soll, doch ganz langsam nähern sie sich wieder an.

Ein Ungeheuer hatte unter ihnen gelebt, und niemand hatte es gemerkt.
(S. 102)

Rebecca Wait hat hier einen ruhigen, aber sehr eindringlichen Roman geschrieben. Ich glaube, nach einer solchen Tat im Familienkreis, in der Nachbarschaft, etc., da würde sich wohl jeder fragen – hätte ich es verhindern können? Viele erinnern sich im Nachhinein an Kleinigkeiten, aber dass so was passieren würde, das war nicht vorherzusehen. Tommy macht den Menschen Angst. Sie kämpfen mit Schuldgefühlen und dass er seinem Vater sehr ähnlich sieht, verschlimmert es nur noch.

Die Ereignisse werden aus der Sicht verschiedener Personen geschildert. Natürlich Tommy und sein Onkel, aber auch andere Bewohner. Außerdem gibt es auch Rückblenden in die Vergangenheit, in die Kindheit von John und Malcolm, aber auch in die von Tommys Mutter. Natürlich spielt auch der Schauplatz eine Rolle – eine einsame Insel mitten im Atlantik. Allerdings hätte das Buch mit kleinen Anwandlungen auch auf dem Festland in einer Großstadt funktioniert, wobei es so bestimmt intensiver war. Gerade auf so einer Insel, wo man aufeinander gewiesen ist, gerade hier glaubt man schließlich, seine Mitmenschen genau zu kennen.

Mich hat das Buch sehr überzeugt, für mich wird es definitiv eines der Highlights des Jahres werden. Und deshalb habe ich mir auch schon ihr Debüt gekauft – auch wenn ich noch nicht weiß, wann ich es lesen werde.

OT: Our Fathers

1 Comment so far

  1. Konstanze

    Hmmmm … Das klingt auf der einen Seite sehr gut, auf der anderen Seite weiß ich genau, dass ich für solche Bücher in der richtigen Stimmung sein muss – was ich gerade nicht bin. Naja, die Bibliothek hat zur Zeit eh nicht geöffnet, also ist es erst einmal dort auf die Merkliste gewandert und ich schaue mal, ob ich im Laufe des Jahres (wenn die hiesige Zweigstelle wieder auf hat) Lust darauf bekomme. Auf jeden Fall ist es schon mal gut zu wissen, dass dir dieser Roman so unglaublich gut gefallen hat!

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