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Whitney G.: Naughty Boss

Liebesromane langweilen mich. Im Gegensatz zu früher habe ich das Interesse fast vollständig verloren, gerade was zeitgenössische angeht. Doch „Naughty Boss“ klang irgendwie lustig und es war kostenlos (kindle / epub) und ich hatte gerade Lust auf was seichtes, leichtes.

Mya ist Assisstentin bei einem Verleger und wenn sie am Anfang auch unglaublich glücklich über ihren neuen Job war, ist sie inzwischen stinksauer. Denn ihr Boss Michael ist unmöglich – Überstunden ohne Ende und extrem anspruchsvoll. Um Dampf abzulassen schickt sie ihrer besten Freundin Mails, in denen sie sich über Michael auslässt. Und auch schreibt, was sie sich wünscht, nämlich heißen Sex mit ihm. Dummerweise schickt sie eines Tages eine dieser Mails aus Versehen an ihren Boss.

Gut, die Story ist nichts neues. Ich habe jetzt direkt nach dem lesen auch nur eine verschwommene Vorstellung vom Äußeren der beiden (also, abseits von „Sexy!“), vom Alter, Background etc. Beide scheinen irgendwie plötzlich da zu sein, es gibt ein paar kleine Nebenfiguren, die als Hintergrund dienen, aber verzichtbar wären. New York wird als Handlungsort erwähnt, aber theoretisch könnte die Geschichte auch in Bochum spielen. Spaß hat es mir trotzdem gemacht, weil die Dialoge sehr amüsant waren. Die Ereignisse werden abwechselnd aus Sicht der beiden geschildert, was mir ebenfalls sehr gut gefiel. Beide benehmen sich wie Erwachsene und nicht wie Teenager. Die Sexszenen waren ok – nicht weltbewegend, stundenlange Orgasmen finde ich jetzt auch eher unrealistisch, aber da Erotik zwar vorhanden, aber eben nicht den Großteil des Buches ausmacht, war es ok.

Vom Ende bin ich dann leider etwas überrumpelt gewesen. Das kann natürlich auch daran liegen, das es mit diesem Buch wie mit vielen anderen, gerade kostenlosen ebooks ist – am Ende sammeln sich Hinweise und Leseproben auf weitere ebooks, die bestimmt noch besser sind. So lag das Verhältnis Roman/Werbung bei 70:30%. Finde ich etwas unbefriedigend.

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Büchereiglück: Krimis & Co.

Endlich ist es kühler, endlich kann ich wieder „richtige“ Bücher lesen (die erfordern Licht und das zieht Mücken und andere Viecher an, weshalb ich den Sommer über meist Ebooks gelesen habe). Da ist es doch nur folgerichtig, zu Beginn des freien Wochenendes zur Bücherei zu schlendern und mal gucken, was sich da so getan hat. Es sollte ein kurzer Besuch sein (Haha!). Ziemlich fix hatte ich die ersten drei Bücher beisammen – die beiden Krimis und den Louis:

„Unterholz“ & „Felsenfest“ von Jörg Maurer sind Band 5 und 6 der Jennerwein Reihe. Ich habe die Reihe bisher ziemlich durcheinander gelesen und diese beiden gehören zu denen, die mir noch fehlen. Wahrscheinlich reicht es mir dann erstmal wieder mit dem überdrehten Alpenkrimi.

„Im Herzen der Gewalt“ von Édouard Louis ist die Fortsetzung von „Das Ende von Eddy“, das ich vor einigen Monaten gelesen habe – ganz, ganz großartig und so sind meine Erwartungen hoch.

Tja, und dann… dann dachte ich plötzlich, dass es doch blöd sei, eine rein männliche Auswahl nach Hause zu tragen. Schließlich schreiben Frauen ebenso wunderbare Bücher! So verbrachte ich dann noch eine Stunde damit, drei weitere Bücher, diesmal von Autorinnen geschriebene, auszusuchen. Voilà:

In „Der Freund der Toten“ von Jess Kidd erfährt der Dieb und Hippie Mahoney, dass er nicht, wie er bisher glaubte, einfach im Waisenhaus abgegeben wurde, sondern dass dahinter ein düsteres Geheimnis steckt. Ich habe nur den Prolog gelesen (in dem die Mutter umgebracht wird), der mir aber sehr gefiel.

„Willkommen im Bellweather Hotel“ von Kate Racculia hat ebenfalls einen blutigen Prolog. Hier übernachtet Minnie aufgrund eines Musikwettbewerbes in dem gleichen Hotel, in dem sie 15 Jahre vorher Zeugin eines Verbrechens wurde. Diesmal verschwindet eine Teilnehmerin, die in dem gleichen Zimmer übernachtete. Klingt gruselig – allerdings habe ich im Nachhinein gesehen, dass es auf Goodreads als Comedy beschrieben wurde?! Tja – ich werde wohl selber lesen müssen.

„Der leuchtend blaue Faden“ habe ich ohne großes rein lesen in die Tasche gepackt. Von Anne Tyler wollte ich schließlich schon immer mal ein Buch lesen. Zu Hause habe ich übrigens gemerkt, das ich das sogar schon mal gemacht habe. Egal. Diesmal wird es richtig Tyler sein und kein Tyler meets Shakespeare.

 

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Shamini Flint: Der Mann, der zweimal starb

Ein Terroranschlag auf Bali – und Singapur schickt Inspektor Singh in das internationale Ermittlerteam. Protest hilft da wenig, schließlich sei Terror so was wie Mord, nur im größeren Maßstab, bekommt er zu hören. Unwillig stampft er den anderen Ermittlern hinter her, die schnell mitbekommen, das Singh keine Ahnung von Terror hat. Doch dann stellt sich heraus, das eines der Opfer nicht bei dem Anschlag starb, sondern schon vorher erschossen wurde – das legt zumindest ein Fragment des Schädels nahe. Die Aussichten, den Täter zu finden, sind mehr als gering, doch für Singh immer noch reizvoller, als weiterhin der unfähige Idiot zu sein.

Der Hintergrund des Buches ist real. 2002 gab es einen Anschlag in der Stadt Kuta, bei dem über 200 Menschen getötet wurden. Dies hat die Autorin genutzt und so um den Anschlag herum ein reizvolles Buch geschrieben. Dabei spielen die Ermittlungen zum Anschlag selber nur eine untergeordnete Rolle. Die Auswirkungen aber wurden sehr präzise beschrieben – traumatisierte Hinterbliebene. Die Wirtschaft bricht ein, mit drastischen Folgen – viele Balinesen verlieren ihren Job. Inspektor Singh, der als Sikh durch seinen Turban auffällt, wird für einen Moslem gehalten und beschimpft. An seiner Seite ermittelt mit ihm die australische Polizistin Bronwyn, die bei ihren Vorgesetzten in Ungnade gefallen ist. Im Gegensatz zu Singh hat sie von Morden keine Ahnung – lernt aber schnell dazu.

Die eigentlichen Mordermittlungen fand ich dagegen etwas schleppend – da gefiel mir das erste Buch besser. Für die Tat kommen zwei verschiedene Personengruppen in Frage – die Frau des Opfers bzw. deren Freundeskreis oder sein eigener Freundeskreis. Aus welcher Gruppe der Täter kommen würde, war mir relativ schnell klar, weshalb ich die Ermittlungen im anderen Personenkreis auch überflüssig fand. Allerdings hat der Leser einen Vorteil gegenüber Singh – denn die Ereignisse werden auch Sicht der verschiedenen Verdächtigen geschildert, diese Einblicke hat Singh natürlich nicht.

Zwar handelt es sich hierbei um den zweiten Band einer Krimiserie, doch die Ereignisse aus dem ersten Buch werden nicht mal am Rande erwähnt, von daher ist es völlig egal, ob man den ersten Band kennt. Leider haben sich die Bücher aber wohl nicht besonders gut verkauft, zumindest sind die weiteren Bände bisher nicht übersetzt worden. Schade.

OT: A Bali Conspiracy Most Foul

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John Oldale: Doktor Oldales geographisches Lexikon

Schon gewusst? Liechtenstein ist Exportweltmeister für falsche Zähne. Das Trampeltier kommt ursprünglich aus Amerika – über die Bering-Straße ist es in die Mongolei eingewandert und in Amerika dann ausgestorben. Die Sprache der Khmer besteht aus 68 Buchstaben. Und in Belgien gibt es ein Chicorée-Museum.

Auf etwa 300 Seiten erstreckt sich das Buch, das zu allen möglichen Staaten der Erde unnützes, aber unterhaltsames Wissen versammelt. Meistens ein, zwei Seiten, bei manchen Staaten sind es einige Seiten mehr. In der Fußnote gibt es einen Hinweis auf den Kontinent, auf etwaige Welterbestätten, aber auch auch die Wörter „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“ in der jeweiligen Landessprache.

Ein tolles Buch zum Blättern, Stöbern, Staunen!

OT: A World of Curiosities

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Sandra Konrad: Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will, was er will.

Wie selbstbestimmt sind wir Frauen heute? Wie sehen wir unsere Sexualität? Und wie sehr werden wir noch durch Rollenvorgaben eingeschränkt? Aber wie waren die Normen früher genau? Welche Auswirkungen hatte früher, welche heute noch? In wie weit hat sich Sexualität in den letzten Jahren verändert?

Von Hysterikerinnen und Nymphomaninnen, von Beschneidungen (auch in Europa!) und den Einfluss von Pornografie und Prostitution auf die Frauen und Männer schreibt die Autorin. Dabei bleibt sie meistens sehr unterhaltsam, hat viele Frauen interviewt und kann aus einem  entsprechend riesigem Fundus an Fallbeispielen schöpfen. Wenn man liest, das es früher normal war, das Männer glaubten, die Gebärmutter wandere im Frauenkörper herum und müsse regelmäßig mit Samen gefüttert werden, dann ist das für uns heute zum schmunzeln. Wenn es jedoch um das Thema weibliche Beschneidungen geht, dann kann frau nur froh sein, das diese sich letzten Endes in der westlichen Welt nicht durchsetzten – was übrigens nur daran lag, das man davon ausging, das Frau nur schwanger werden kann, wenn sie auch kommt. Von da aus spannt sich dann jedoch der Bogen zu Frauen, die nach Vergewaltigungen schwanger wurden – tja, sie muss es ja doch gewollt haben, sonst wäre sie nicht schwanger, nicht war?

Ich habe das Buch auf jeden Fall verschlungen und mich mit dem Textmarker ausgetobt. Es gab ungeheuer viele Textstellen, an denen ich dachte, „Ja, verdammt nochmal, genau so ist!“.

(Das beherrschte Geschlecht, Seite 68/69)

Leider habe ich einen Fehler in dem Buch gefunden: Auf Seite 113 spricht die Autorin davon, das die „Pille danach“ in Deutschland immer noch verscheibungspflichtig ist. Das ist sie schon seit März 2015 nicht mehr. Wirklich schade, zumal das Buch erst 2018 erschienen ist.  Ich wünsche dem Buch aber noch viele weitere Auflagen, in denen dieses geändert wird.

Wer sich gerade mal zum Umgang mit den „Hysterikerinnen“ in England befassen will, dem sei der Film „In guten Händen“ empfohlen, den ich zufällig kurze Zeit vorher sah. Der Film ist eher ein Feel Good Movie, es gibt natürlich eine Romanze – aber der Hintergrund ist vorhanden und war real.

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5* Bücher des 1. Halbjahres 2018

Ich habe dieses Jahr bisher weniger gelesen als sonst. Vieles davon waren gute Bücher, einige mittelmäßig, einige unterdurchschnittlich. Es waren aber auch ein paar herausragende Bücher dabei. Keine klassischen Wohlfühlbücher, sondern Bücher, die mich mitrissen, bewegten, Geschichten, die mir Angst machten und die ich nicht wieder aus dem Kopf bekam…(außer natürlich Marlon Bundo, der mir keine Angst machte!).

„Kleine Kriege“ von Sadie Jones: Eine echte SuB Leiche hatte ich da aus dem Stapel gezogen! Ein längst vergessener Krieg, eine Geschichte über Ehre, Schuld und Verbrechen – wie geht man damit um, wenn man von einem Verbrechen weiß, aber nicht handeln darf, nicht zum Nestbeschmutzer werden darf?

„Einsame Schwestern“ von Ekaterine Togonidze: Am Anfang ist der Tod. Die siamesischen Zwillinge Lina und Diana sind tot. Ihr Vater, der bisher nichts von der Existenz seiner Töchter wusste, erfährt aus Tagebucheintragungen mehr über das Leben der Mädchen, ihre Wünsche und Träume und die harte Realität in Georgien. Harter Tobak, sehr bedrückend – aber sooo gut!

„Die Leute von Nr. 37“ von Fran Cooper: Sommer in Paris – hier ein Paris ohne Klischees, stattdessen gibt es viel Bitterkeit, Angst und Rassismus. Ein Buch, das nicht nur schwarz-weiss geschrieben ist, sondern viele graue Schattierungen hat.

„A Day in the Life of Marlon Bundo“ von Jill Twiss: Eine bezauberndes Kinderbuch, das uns so ganz nebenbei für Gerechtigkeit eintritt.

„Das Ende von Eddy“ von Édouard Louis: Das Buch machte mich am Anfang etwas misstrauisch – wie es mir so oft bei gehypten Bücher ergeht. Am Ende hat mich das Buch sprachlos gemacht, so sehr hat mich die Geschichte der Kindheit von Eddy mitgenommen. Knappe, direkte Sprache, manchmal auch derb, aber immer passend. Eigentlich mag ich das Buch gar nicht in die Bücherei zurückbringen..

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Ernest van der Kwast: Mama Tandoori

Vor etwa einem Jahr las ich die „Die Eismacher“ und auch wenn das Buch nicht perfekt war in meinen Augen (aber das sind auch nur sehr wenige), so las ich es doch sehr gerne. Auf jeden Fall gut genug, um auch auf sein neuestes Werk aufmerksam zu werden. Wobei – wirklich neu ist es nicht. Im Original erschien das Buch schon 2010, doch die deutsche Übersetzung kam erst jetzt.

Bei „Mama Tandoori“ geht es um die Familiengeschichte des Autors. Die oft schwierige Ehe zwischen den Eltern, seine Kindheit. Die Mutter, eine Inderin, flieht vor Liebeskummer nach Rotterdam und trifft da auf den eher farblosen Vater, einem Niederländer. Einzelne Kapitel beschreiben das Leben von anderen Familienmitgliedern, doch es kommt immer wieder zurück auf seine Mutter, bei der alle Fäden zusammen laufen. Diese ist von Sonderangeboten besessen. Immer und überall werden Preise runter gehandelt, Verkäufer werden blass, wenn sie sie nur von weiten sehen. So kommt es u.a., das die Kinder Katzenfutter in Dosen als Geburtstagsgeschenke mitbringen müssen – schließlich hat die Familie gar keine Katzen, aber das Angebot war einfach zu gut!

Es ist ein Roman, der autobiographisch gefärbt ist, aber keine Autobiographie. Das ist wichtig zu wissen, denn wie viel in dem Buch den Tatsachen entspricht und was erfunden ist, weiß nur der Autor (und wohl auch noch die weitere Familie) selber. Einige Familienmitglieder kommen dabei wirklich nicht gut weg, vor allem die Mutter, diejenige, die fast alles in der Familie entscheidet und an ihren Söhnen und deren Lebenswegen fast zerbricht. Vieles wird aus der Sicht des jüngstem Sohnes geschildert, der hier im Buch ebenfalls Ernest heißt. Obwohl das Buch also eigentlich eine unglückliche Familie schildert, ist es beim Lesen der Humor, die Ironie, die einem auffällt und gefällt. So habe ich mich beim Lesen wirklich gefreut, habe das Buch auch recht schnell und mit Lust immer wieder in die Hand genommen. Aber gleichzeitig, mit etwas Abstand zu dem Buch, muss ich auch sagen, das es kein Buch ist, das länger im Kopf verweilt. Manchmal ist einfach lesen auch schön.

OT: Mama Tandoori