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Vintage Caravans & Küchenideen.

Ihr werdet es nicht glauben, aber ich hatte neulich tatsächlich Urlaub. Urlaub, den ich u.a. zum Bloggen nutzen wollte. Tja. War wohl nix. Aber ich habe immerhin gelesen – zwar fast nichts von meinem Büchereistapel (die habe ich stattdessen verlängert…), und auch nicht von meinen neuen Büchern, die ich mir nach der Lesenacht gekauft hatte (aber demnächst!). Stattdessen bin ich zufällig auf eine kleine, schräge Krimiserie gestoßen, nämlich die „Georgie B. Goode Gypsy Caravan Cozy Mystery“ von Marg McAlister . Dabei handelt es sich um Reihe mit 10 abgeschlossenen Bänden.

Protagonistin ist Georgie, die zusammen mit ihrem Bruder in der Firma ihres Vaters arbeitet. Der produziert Wohnwagen der Luxusklasse. Georgie kümmert sich um das Design, ihr Herz hängt aber an den Vintage Trailers: Quietschend bunte Reproduktionen der 1950er, 1960er Jahre mit dem Aussehen von damals und der Technik von heute. Georgie geht damit auf Reisen und entdeckt dabei ihr Erbe: Sie ist eine Hellseherin, wie ihre Urgroßmutter. Jetzt setzt sie ihre Fähigkeiten für Detektivarbeit ein. Dabei ermittelt sie nicht in Kapitalverbrechen, sondern in „kleineren Fällen“: oft sind es Betrügereien wie Heiratsschwindler, Unterschlagungen, aber auch Sabotage, Stalking und Schmuggel. Die Polizei bleibt teilweise komplett außen vor – nicht immer findet Georgie auch handfeste Beweise, manchmal bleibt es bei ihren hellseherischen Wissen. Doch trotzdem passen die Ende immer.

Es gibt 10 Bände, dazu noch zwei weitere Serien: In einer dreht es sich um eine der Nebenfiguren (ich bin mir nicht sicher, ob daraus jemals eine Serie wird – es gibt nur einen Band), in einer weiteren Serie setzt Georgie ihre Abenteuer in Australien fort. Und nachdem ich  mich auf den Newsletter der Autorin setzen ließ, bekam ich auch „Fortune’s Wheel„, in dem die Urgroßmutter ein bisschen was aus ihrer Sicht erzählt. Ein richtiges kleines Universum. Gemütlich, unterhaltsam, semispannend – für einen Cozy genau richtig.

Wenn ich nicht lese, dann bin ich in Gedanken beim Küchenkauf. Bzw., der Vertrag ist nach aufregenden Tagen, in denen ich von einem Küchenstudio zum nächsten marschiert bin und mir unendlich viele Ideen anhörte. Mit meinen Vorgaben war ich bestimmt keine einfache Kundin („Die Waschmaschine muss mit rein. Und da, ein Mauervorsprung. Ach, den Backofen hätte ich doch lieber auf Augenhöhe. Hm, dahinter ist der Wasserzähler, da muss ich einmal im Jahr ran. Oh, und ich glaube, ich will diese Nische dort auch in die Küche integrieren…oh, und mehrere Getränkekisten müssen rein passen. Anders geht es nicht, ich habe keinen Keller…). Vieles davon war gut, ein Vorschlag schien für mich perfekt zu sein und schließlich habe ich mich auch dafür entschieden.

Jetzt heißt es warten. Am liebsten würde ich ja gleich heute alles ausräumen und die neue Küche einräumen und darin kochen, aber da muss ich einfach noch Geduld aufbringen. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ich das Provisorium meiner Vormieterin los bin.

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Lesenacht in der Buchhandlung

Vor zwei Tagen war es wieder so weit: „meine“ Buchhandlung lud zur Lesenacht ein. 40 Erwachsene, die Geld zahlen, damit sie sich in der Buchhandlung einsperren lassen und lesen. Für nicht lesende Menschen wohl eines der seltsamsten Dinge, die Menschen tun können.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre sind wir frühzeitig los, um gute Plätze zu sichern. So haben wir uns die bequemen Sesseln bei den Taschenbüchern gesichert – das sind dort auch die einzigen Sitzplätze, so das wir etwas abgeschieden von den anderen Teilnehmern waren.

Und dann ging es los! Der erste Streifzug…

Von dem ersten Stapel gefiel mir besonders „Das Buch der vergessenen Artisten“ von Vera Buck. Definitiv ein Buch, das ich mir in den nächsten Tagen zulegen werde. Die anderen Bücher konnten mich nicht so sehr überzeugen (außer Maurer und Moers natürlich, aber da stellte sich für mich die Frage auch gar nicht), weshalb ich auf der Such nach leichter Kost nochmal in der Fantasyabteilung war und dort auf „Das Labyrinth von London“ von Benedict Jacka gestoßen – Fantasy meets Krimi! Die ersten zwei Kapitel habe ich mir viel Schmunzeln gelesen – der Schreibstil ist ziemlich sarkastisch, und gerade das gefiel mir sehr.

Der Abend verging weiter. Von draußen hörte man immer wieder mal Ausrufe der Partypeople, die auf dem Weg von einem Club zum nächsten an der hell erleuchteten Buchhandlung vorbeizogen (und uns wahrscheinlich für die absoluten Loser hielten). Lustig fand ich auch das ältere Paar, das sich am Schaufenster die Nasen platt drückten und sich wahrscheinlich fragten, was da denn los sei. Ich habe irgendwann mal einen kleinen Bummel ins Obergeschoss gemacht…

…wo es Kinder- und Jugendbücher gibt, dazu Sachbücher über Religion, Sprachen und Ratgeber. Eine kleine Ecke mit feministischen Büchern (für mich war nichts neues dabei) und ganz viele Bücher, die einem erklären, wie man besser lebt, mit viel Achtsamkeit, Hygge, Lykke und Lagom und so. Kennt ihr nicht? Ich bis dahin auch nicht (Lykke ist wohl dänisch für „Glück“ und Lagom ist das schwedische Hygge. So was wie „alles mit rechtem Maß“, hm). Mir sagt das ja nicht so zu.

Auf jeden Fall ging es dann für uns ins Untergeschoss…

…wo meine Freundin ein Katzenbuch fand und sich gleich darauf stürzte. Ich habe eher mit einem Kopfschütteln festgestellt, das man zu Weihnachten Hyggemäßig backen kann (ob man das auch Lagommäßig tun kann, weiß ich nicht). Ich bin ein bisschen an den Kochbüchern vorbei geschlendert, habe die Medizinecke ignoriert (Urlaub!) und bin nach einem kurzen Schwenk bei den Naturwissenschaften bei der Kulturgeschichte hängen geblieben. Da fand sich neben einem spannenden Buch über die Geschichte der Schwindsucht auch eines über „Deutsche Pornographie in der Aufklärung“ – winzige Buchstaben, staubtrocken, teuer – ob das wirklich jemand kauft? Ich jedenfalls nicht.

So langsam wurde es spät – wir holten uns Verpflegung im Café am anderen Ende der Buchhandlung und waren froh, das wir die Getränke in unsere ruhige Ecke mitnehmen durften. Im Café war es nämlich sehr voll und laut und viele schienen den Abend eher für einen Plausch zu nutzen. Wir habe dann ähnliches gemacht – nur halt in unserer stillen Ecke. Einen Krimi habe ich noch angelesen, nämlich „Mord im alten Pfarrhaus“. Das stand auf meiner Wunschliste – und ist jetzt nicht mehr darauf, weil es mir nämlich überhaupt nicht gefiel. Weder vom Setting, noch von der Sprache her.

Gegen 0.30 Uhr gaben wir uns geschlagen. Müde räumten wir die Bücher alle wieder an ihre Plätze, zogen Schuhe und Jacken an und verließen das Geschäft. Bis zum nächsten Jahr!

 

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Jess Kidd: Der Freund der Toten

Irland, 1976. Bisher ging Mahony immer davon aus, dass seine Mutter einfach keine Lust auf ein Kind hatte und ihn deshalb in ein Waisenhaus nach Dublin brachte. Doch jetzt, mit 26 erfährt er, das es wohl ganz andere Gründe gab. Die Spur führt in den County Mayo, genauer gesagt nach Mulderrig, ein kleines Dorf. Hier gehen die Uhren noch anders und so fällt Mahony, der sich bisher als Kleinganove und Hippie durchgeschlagen hat, sofort auf. Schnell erfahren die Dorfbewohner, das er auf der Suche nach seinen Mutter ist und das gefällt den meisten nicht. Unterstützt wird er bei seinen Ermittlungen von Mrs Cauley, einer alternden Schauspielerin.

Klingt ein bisschen wie ein Thriller – ist es aber nicht. Stattdessen ist eine fast schon magische Geschichte, die sehr ausschweifend erzählt wird. Mahony ist ein charmanter Taugenichts, der aber zum ersten Mal in seinem Leben eine Mission hat: Seine Mutter zu finden. Das sie einfach weggegangen ist, daran glaubt er nicht.

Die Lösung ist dann auch gar nicht sooo schwer. Der Weg dahin war es dann aber doch. Mahony hat nämlich eine besondere Gabe, er kann die Toten sehen, mit ihnen Kontakt aufnehmen. Das führt zu einer Unmenge an Personen, denn natürlich ist das Dorf von Toten nur so belagert. Im Laufe der Jahrhunderte sammeln die sich eben an. Zu seiner großen Verwunderung kann er jedoch ausgerechnet seine Mutter nicht sehen.  Daneben gibt es weitere phantastische Elemente: fliegende Bücher, ein Säugling, der von Pflanzen versteckt wird, eine heilige Quelle im Haus (inklusive Frösche), ein Sturm, der nur im Dorf Verwüstungen anrichtet.

Insgesamt ist ein wirklich schönes Buch. Die Sprache sehr poetisch, die Geschichte selber ist dann aber zu langatmig erzählt. Außerdem gibt es durch die Toten eine Vielzahl an Protagonisten, die für die Handlung keine Rollen spielen. Auch da hätte man jede Menge kürzen können. Ein paar Geister sind ja durchaus malerisch, aber doch nicht hunderte (die sich teilweise auch nur damit begnügen, in der Story einmal aufzutauchen und sich dabei am Sack zu kratzen)…

OT: Himself

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Büchereiglück: neue Romane und Ausblick auf die Wunschliste.

Vor zwei Tagen habe ich mich wieder mal in meiner Bücherei mit Nachschub eingedeckt – schließlich stand Allerheiligen kurz bevor und für diesen stillen Feiertag braucht es schließlich passende, ernsthafte Lektüre, die ich hingebungsvoll auf meinem Fell drapiert habe:

„Schwindelfrei ist nur der Tod“ ist ein weiter Jennerwein Krimi – der mich seit heute morgen zum Lachen bringt. Genau das richtige nach meinem letzten, eher ernsthaften Buch. Die anderen Bücher klingen dafür nicht besonders humorvoll: „Nach der Party“ von Kathrin Weßling und „Die Stellung“ von Meg Wolitzer sind beide eher Wackelkandidaten – vielleicht gefallen sie mir nach einem reinlesen doch nicht so sehr und ich bringe sie ungelesen zurück. Aber das ist ja gerade das schöne in der Bücherei, dieses unverbindliche. ^^

Nummer 4 ist schließlich „Nach der Party“ von A. Beatrice DiSclafani – zwei unterschiedliche beste Freundinnen, 1950er Jahre – klingt auf jeden Fall reizvoll, ich hoffe, das es auch entsprechend gut umgesetzt wurde.

Ich habe es mir diesmal übrigens leicht gemacht und einfach meine Wunschliste abgearbeitet. Die habe ich als Notiz auf meinem Handy abgespeichert und sie ist jetzt auch etwas kürzer als sie es vorher war. Wobei diese Liste sowieso ständig in Bewegung ist – ich streiche immer wieder Bücher raus, nehme andere dazu, streiche die wieder, setze die ersteren wieder hinzu – na ja, jeder braucht halt ein Hobby. Meines ist das Bearbeiten von Listen:

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Walter Moers: Rumo und die Wunder im Dunkeln

Rumo war nach dem Käpt’n Blaubär mein zweites Buch über die wunderbare Welt von Zamonien. Es schildert die Jugend und das Erwachsen werden eines jungen Wolpertinger – Rumo. Wolpertinger sind hundeartige Geschöpfe, die von den Eltern ausgesetzt werden und sich dann alleine durchschlagen. Bzw. verwöhnt werden, den Wolpertingerwelpen gelten in Zamonien als die niedlichsten Geschöpfe überhaupt und angeblich können sich die Welpen von Zuneigung ernähren. Gerüche nehmen Wolpertinger als bunte Fäden war und die Liebe riecht silbern.

Der kleine Rumo erlebt viele Abenteuer – seine Familie, die ihn liebevoll versorgt, wird überfallen und er wird mit ihnen auf den Teufelsfelsen verschleppt. Doch eigentlich will er nur dem silbernen Faden folgen, der ihn nach Wolperting führt, der Stadt, zu der fast alle Wolpertinger getrieben werden. Das Buch ist in zwei große Abschnitte geteilt – das eine berichtet von den Ereignissen in der Obenwelt, das andere von der Untenwelt. Einige Figuren aus anderen Büchern tauchen auch hier wieder auf – allen voran natürlich Smeik, die Haifischmade.

Das Buch ist blutig – es gibt viele Schlachten, Rumo muss sich oft verteidigen und ein Wolpertinger ist zwar als Welpe niedlich, später jedoch auch lebensgefährlich, wenn man ihn bedroht. Und so rettet Rumo sich von Seite zu Seite, manchmal unterstützt von weiseren Charakteren wie Smeik, manchmal auch nur mit viel Glück. Dabei ist Rumo durchaus nicht immer der große Schlaukopf, gerade in seiner Jugend ist er sehr ichbezogen und naiv.

Neben der phantastischen Gestaltung lebt das Buch vor allem von den vielen, kleinen Ideen, die Walter Moers einbrachte. Alleine schon die Beschreibung des kleinen Rumo beim zahnen – herrlich! Oder die Idee, Rumos Waffe mit gleich zwei unterschiedlichen Charakteren auszustatten. Oder, oder, oder – einfach ein rundum gelungenes, äußerst phantasievolles Werk.

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Shahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren

Eine Liebesgeschichte schreiben! Wie schön wäre das, denkt sich der iranische Schriftsteller. Und leider unmöglich, denn der Zensor  Herr Petrowitsch wacht genau über die Literatur, die Schriftsteller und ihre Gedanken. Wie können sich Sara und Dara so treffen, sich kennen lernen, wenn sie sich doch offiziell nie sehen dürfen?

Das Buch spielt sich auf drei verschiedenen Ebenen ab. Da ist zu einem die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Paar in Teheran. Dann ist da der Schriftsteller, der versucht diese Geschichte zu schreiben. Doch beim Schreiben muss er aufpassen, das er die Geschichte so schreibt, das es dem mächtigen Zensor gefällt. Und schließlich berichtet der Schriftsteller aus seinem eigenem Leben. Das alles wird zu einem spannendem, aber auch recht anspruchsvollen Roman zusammengeführt. Verschiedene Elemente der Textgestaltung helfen, sich in der Geschichte zurecht zu finden. So gibt es dick gedruckte und durchgestrichene Abschnitte. Während des Schreibens zensiert sich der Schriftsteller ständig selbst, denn es gibt vieles, was er nicht schreiben darf. Wo sollen sich die beiden zukünftig Liebenden überhaupt treffen? Offiziell gibt es schließlich eine strenge Trennung der Geschlechter. Gleichzeitig unternimmt der Autor immer wieder Ausflüge in die Vergangenheit des Irans, in das frühere Persien, wie es vor hunderten Jahren war. Denn die Erinnerung an die reichhaltige Kultur damals ist im Gegensatz zur Moderne nicht verboten, bzw. wird mit weniger Misstrauen beäugt.

Vieles erscheint uns einfach absurd. Und das weiß der Autor auch, er wendet sich nämlich direkt an seine westlichen Leser. Und als wenn die Realität nicht schon absurd genug sein könnte, werden auch noch einige fantastische Elemente eingeflochten. Diese spielen für die eigentliche Erzählung nur eine geringe Rolle, unterstreichen aber so nochmal die aberwitzige Macht im Iran.

Anmerkung: Die deutsche Übersetzung wurde nicht aus dem persischen, sondern aus der englischen Übersetzung heraus übersetzt – auf Wunsch des Autos, wie es im Buch vermerkt wurde. Im Iran konnte das Buch bisher übrigens nicht erscheinen.

OT: Censoring an Iranian Love Story

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Bill Bryson: It’s teatime, my dear!

Vor mehreren Jahren habe ich im Rahmen meiner Bill Bryson Phase auch „Reif für die Insel“ gelesen. Ich mochte das Buch, das England aus der Sicht eines Amerikaners schildert recht gerne, allerdings habe ich inzwischen keine Erinnerung mehr daran.

„It’s teatime, my dear!“ ist die Fortsetzung, kann aber auch völlig unabhängig davon gelesen werden. Nach 30 Jahren hat Bryson wieder Lust, quer durch England zu fahren und Schlösser, Museen und Landschaften zu besuchen. Dabei handelt es sich hier nicht um eine lange Reise, sondern Berichte über verschiedene kurze Reisen und Tagesausflüge.

Manchmal erinnert Bryson dabei an einen älteren Herrn, der naserümpfend durch die Gegend zieht und stirnrunzelnd feststellt, das früher eben doch alles besser war. Dabei sind seine Beobachtungen sehr genau und scharfsinnig. Wenn er über seinen Einbürgerungstest schreibt oder die britische Yellow Press seziert und kopfschüttelnd feststellt, das die „Promis“ dort ihm völlig unbekannt sind, ist das großartig beschrieben. Dabei ist ist er aber auch selbstironisch und sarkastisch.

Was mich aber am meisten für das Buch eingenommen hat, ist der staubtrockene Humor. So beschreibt er einen Besuch in einem Museum damit, das es furchtbar eng war, einer aus der Besuchergruppe schreckliche Blähungen hatte, was ihn aber nicht störte, weil er derjenige mit den Blähungen gewesen sei…

OT: The Road to Little Dribbling