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Vintage Books #11

Bei „Schamlos schön“ handelt es sich eigentlich nicht um ein besonderes Buch – es sind schlicht und einfach „Höhepunkte“ aus zwölf verschiedenen erotischen Romanen in einer Anthologie zusammengefasst. Erschienen ist das Buch bereits 1990 und das war auch ungefähr die Zeit, in der ich es gekauft habe.

Meine Beziehung zu dem Buch ist schon irgendwie speziell – es ist nämlich das erste erotische Buch, das ich mir gekauft habe. Tagelang bin ich damals im Woolworth (lustigerweise dachte ich bis zu diesem Beitrag, das es die Kette gar nicht mehr gibt) um das Buch herumgeschlichen. Ob man so was als Minderjährige kaufen durfte? Was da wohl drin stand? Oh Gott, die Frau da hinten guckt mich so komisch – lieber wieder weglegen. Oder doch nicht?

Irgendwann habe ich es gekauft. Und mit heißen Ohren gelesen (ich war damals etwa 14, 15 Jahre alt). Und als ich letztes Mal bei meinen Eltern war, da ist mein Blick zufällig auf dieses Buch gefallen und ich habe spontan eingesteckt. Vielleicht schmökere ich demnächst wieder darin, vermutlich mit weniger heißen Ohren als damals. ;)

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Rebecca Michéle: Auf Eis gelegt

Mord & Totschlag im idyllischen Cornwall. Der Manager eines neuen Romantic Hotels wird tot in der Gefriertruhe aufgefunden. Unter Verdacht gerät seine Assistentin Sandra Flemming, die nun die neue Managerin wird. Klingt doch einem nettem Cozy – oder?

„Auf Eis gelegt“ ist der erste von drei Titeln einer Serie um Sandra Flemming. Das Buch beginnt sehr schleppend – im Prolog geschieht der Mord und danach macht die Geschichte einen Sprung zurück und erzählt in allen kleinsten Einzelheiten die Ereignisse zwei Wochen vor dem Mord, um dann irgendwann in der Gegenwart anzukommen. Die Charaktere sind schnell dargestellt: Der ermordete Manager: ein sexistischer Narziss. Sandra Flemming und die Rezeptionistin: Beide enttäuscht, beide im Zickenkrieg. Der Koch: Arrogant ohne Ende. Der Inspektor: unbeholfen, träge, hat seine Untergebenen nicht im Griff. Ich könnte ewig so weiter machen, aber es würde nur noch mehr Klischees an Klischees anhäufen.

Ich habe das Buch als Ablenkung während einer heftigen Erkältung gelesen und dafür war es genau das richtige Buch. Es fordert einen wirklich nicht heraus, man muss nicht nachdenken, die Sprache ist einfach und die Ermittlungen sind ein Witz. Die Figuren bleiben schemenhaft, blass. Normalerweise hätte ich mich darüber geärgert, wahrscheinlich sogar das Buch angebrochen. Aber in diesem speziellen Fall habe ich mich beim Lesen zwar geärgert, wusste aber auch, das ich andere Bücher gerade nicht würde lesen können. So hat es zumindest einen Zweck erfüllt und mir die Zeit vertrieben. Aber die weiteren Bände werde ich mir wohl nicht mehr antun.

Ein Buch für den Stapel „Kann man lesen. Muss man aber nicht. Wirklich nicht.“

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Herbstlesen 2019

Wie schon letztes Jahr möchte ich mich auch in diesem Jahr zumindest ein kleines bisschen beim Herbstlesen von Konstanze anschließen.Heute habe ich noch einiges erledigt, so das ich  mich morgen dem Lesen widmen kann. Damit ich morgen aber nicht extra aufstehen muss, um den Beitrag zu schreiben, mache ich das schon heute Abend. Mein Lesestoff besteht momentan aus „Die Grenze“ von Erika Fatland.

Ich habe von den Autorin vor einiger Zeit schon „Sowjetistan“ begeistert gelesen und so ist dieses Buch auch sofort auf die Leseliste gerutscht. Sie bleibt in Russland – bzw. drumherum, sie beschreibt nämlich eine Reise um Russland herum. Momentan sind wir in Kasachstan. Ich bezweifle, das ich das Buch morgen schon beenden werde. Ansonsten lese ich noch „Die Idiotin“ von Eilf Batuman, da habe ich aber erst ein paar Seiten gelesen. Bisher habe ich noch nicht richtig in das Buch hinein gefunden, aber wie gesagt, ein paar Seiten sagen auch noch nichts aus. Vielleicht fange ich was anderes an – hm, ein Krimi? Mal sehen.

Ich werde den Beitrag morgen aktualisieren – wenn ich ausgeschlafen habe. ^^

11.30 Uhr

Na toll. Ich habe gestern Abend schon etwas gefröstelt, mir aber nichts dabei gedacht (zumal im Wohnzimmer gerade auch nur einer von zwei Heizkörpern funktioniert). Heute Morgen bin ich mit Hals- und Ohrenschmerzen wach geworden und fühle mich einfach müde. Jetzt sitze ich hier tatsächlich mit Ohrenwärmer in der Wohnung, sonst tun sie einfach zu weh. Immerhin habe ich ein Buch gefunden, das sich leicht lesen lässt: „Auf Eis gelegt“ von Rebecca Michéle.

Ich bin jetzt bei 26% und die Ermittlungen beginnen gerade erst. Zum Plot: In Cornwall wird ein neues Hotel eröffnet und der Krimi hat zunächst die Ereignisse zwei Wochen vor der Eröffnung geschildert. Der neue Manager ist ein arrogantes, sexistisches Arschloch und hat sich in den zwei Wochen alle möglichen Leute vor den Kopf gestoßen. Und nun liegt er tot in der Gefriertruhe…

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Shamini Flint: The Singapore School of Villainy

Singapur ist entsetzt: ein ausländischer Rechtsanwalt wurde in seiner eigenen Kanzlei ermordet. Für die Regierung eine Katastrophe, ist man in Singapur doch stolz auf die außerordentlich niedrige Kriminalitätsrate. Natürlich wird Inspektor Singh mit den Ermittlungen beauftragt. Besonders glücklich ist er darüber nicht, denn ein Mord an einem Ausländer bedeutet Ermittlungen unter den besorgten Augen seiner Vorgesetzten. Dafür wird er mit einem so hohen Stab an Mitarbeitern ausgestattet, so dass er kaum weiß, was er mit den ganzen eifrigen, aber in Mordermittlungen unerfahrenen Kollegen machen soll.

Die Inspektor Singh Reihe umfasst bisher sieben Bände, die ersten beide (Rezension Band 1 / Band 2) gibt es auch in deutscher Übersetzung, weitere Übersetzungen scheinen aber nicht geplant zu sein. Während Singh, der übergewichtige Sikh mit einer Vorliebe für Essen und Bier von seinen Vorgesetzen gerne auf Reisen geschickt wird, muss er diesmal also zu Hause ermitteln. Noch dazu ist einer der Verdächtigen ein entfernter Verwandter seiner Frau.

Mord scheint in den Augen der Polizeiführung etwas unsauberes zu sein, etwas, das „anständigen“ Menschen nicht betrifft. So träumt auch fast kein Polizist davon, Mordermittler zu werden, Wirtschaftsverbrechen wirken im Vergleich dazu sauberer. Das dürfte schon ein Grund sein, warum Singh nicht sonderlich beliebt bei seinen Vorgesetzten ist. Morde sind ein dreckiges Geschäft und jemand, der sich darauf spezialisiert hat, der muss auch irgendwie dreckig sein. Dazu kommt sein äußeres, das sich durch recht saloppe Kleidung auszeichnet, seine Figur, das alles wirkt nicht sonderlich angepasst.

Die Ermittlungen, die Zeugenvernehmungen werden fast ausschließlich in der Kanzlei selber durchgeführt, was leider dafür sorgt, das man nicht besonders viel über die Umgebung erfährt. Dafür gibt es mehr Einblick in die Arbeitsweise der internationalen Kanzleien, aber natürlich auch in die Polizeiarbeit in Singapur und in das rigide Strafrecht, das Singapur besonders im Umgang mit Drogen verfolgt. Und es gibt Einblicke in eine Gesellschaft, die große Unterschiede im Umgang mit den Menschen macht – die weißen Expats müssen mit Samthandschuhen angefasst werden. Für die Witwe, die vor kurzem noch das philippinische Hausmädchen war, gilt das nicht. Man merkt der Autorin an, das sie früher als Anwältin tätig war, man merkt ihr an, das sie in Singapur lebt.

Alles im allem ist der dritte Teil der Serie wieder ein solider Krimi geworden, der interessante Einblicke in Singapur bietet. Allerdings war mir Singh zu sehr „Elefant im Porzellanladen“, zu sehr trampelte er auf seine Mitmenschen herum. Und gleichzeitig, bei den ganzen Ermittlungen scheint er letzten Endes mehr durch Glück als durch Arbeit die Lösung zu finden. Schön dargestellt fand ich dagegen die Einblicke, die man in die (arrangierte) Ehe von Singh bekommt. Definitiv eine Serie, die ich weiter verfolgen möchte – im nächsten Fall geht es dann nach Kambodscha.

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Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

Schon als Kind eckt Keiko an. Ihre Gefühle sind anders als die der meisten Menschen, ihr fehlt jegliche Empathie. Die meisten anderen Menschen halten sie für unnormal. Keiko versucht, sich anzupassen, doch das gelingt ihr nur eingeschränkt. Erst als sie ihren ersten Job antritt, Hilfskraft in einem Konbini (ein 24h Supermarkt), kann sie sich anpassen.

Dort bekommt sie eine genaue Anleitung, wie sie sich den Kunden gegenüber verhalten muss. Weil ihr das nicht reicht, kopiert sie Verhalten und Kleidungsstil ihrer Kolleginnen. Inzwischen unterscheidet sie ihr Leben in die Zeit vor und nach dem Konbini. Doch nach 18 Jahren Tätigkeit, mit 36 Jahren, wird der Druck von außen größer. Eine normale Frau in dem Alter ist verheiratet und verdient ein bisschen Geld dazu. Oder sie hat eine richtige Karriere. Aber keinesfalls arbeitet sie als Hilfskraft. Ihre Ausrede von einer Krankheit, die ihr keine andere Arbeit ermöglicht, auch das zieht nicht mehr. Freunde sind verwundert, ihre Schwester in Sorge. Der neue Mitarbeiter, der ebenfalls ein Außenseiter ist, bringt Keiko noch mehr zum Grübeln.

„Die Ladenhüterin“ ist ein kurzer Roman mit knappen Dialogen, der dabei aber doch eine Einblick in die japanische Gesellschaft bietet, v.a. in die Arbeitswelt. Mir gefiel die einfühlsame Schilderung von Keiko, der Umgang mit ihrer Familie. Eigentlich ist sie in der Position, in der sie sich befindet, zufrieden. Aber die Fragen von außen verunsichern auch Keiko – darf das wirklich nicht sein, dass sie zufrieden ist mit der Arbeit im Konbini? Gleichzeitig weiß sie, das ihre Familie nur „das Beste“ will, doch dieses Beste ist für Keiko unerreichbar und es ist eben nicht das beste.

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich das Buch zwar gerne gelesen habe, allerdings ist es nichts, was mir länger präsent bleiben wird. Bereits jetzt, einige Tage nach dem Lesen, muss ich länger überlegen, was den Inhalt angeht…

OT: Konbini ningen

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Rachel Ignotofsky: Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen

Frauen können ins All fliegen, Tiere und Natur erforschen, Pionierarbeit in u.a. Physik, Chemie und Mathematik erbringen. Und noch viel mehr! Leider mussten sie das oft gegen den Widerstand der Gesellschaft leisten, sich mit staubigen Abstellkammern als Labore zufrieden geben, ihre Ergebnisse wurden gestohlen und bei Verleihungen wurden sie oft zugunsten von Männern übergangen.

50 verschiedene Wissenschaftlerinnen sind in dem Buch in kurzen Porträts dargestellt. Mit kurz sind zwei Seiten gemeint, wobei eine davon „nur“ eine Zeichnung und einige Schlagwörter enthält. Überhaupt ist die optische Gestaltung des Buches opulent. Jede Menge Zeichnungen, farbige Seiten – insgesamt ein quietschbuntes Buch. Sowohl vom äußeren als auch von der Schreibweise her wendet sich das Buch an junge Mädchen, wobei auch ich meinen Spaß daran hatte.

Für mich waren viele der Frauen Unbekannte, von daher hat das Buch bei mir den Zweck erfüllt. Manchmal war es mir aber zu wenig Inhalt. Bei einer Seite pro Wissenschaftlerin, die auf das Leben und die Arbeit eingeht ist die Darstellung naturgemäß extrem gestrafft.

Mein größter Kritikpunkt ist aber die Gestaltung – rein optisch ist diese sehr, sehr schön. Doch leider sorgt die wirkliche winzige Schrift, die noch dazu teilweise auf dunklen, farbigen Seiten gedruckt wurde, für ein erschwertes Lesevergnügen. Ich habe mir das Buch spontan gekauft – mit etwas mehr nachdenken hätte ich mich vielleicht doch eher für das ebook entschieden, auch wenn ich dann die Zeichnungen nur in Grautönen gesehen hätte.

OT: Women in Science. 50 Fearless Pioneers Who Changed the World

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Roxane Gay: Bad Feminist

Über „Bad Feminist“ habe ich schon sehr viel positives gehört.Es gab überschwängliche Rezensionen, die das Buch als unglaublich wichtig sahen, die sich so verstanden fühlten. Tja. Und dann kam ich.

Bei dem Buch handelt es sich um eine lose Sammlung verschiedener Essays, unterteilt in die Bereiche „Me, Gender & Sexuality, Race & Entertainment, Politics, Gender & Race und Back to Me“. Gerade den ersten Bereich fand ich schwierig – ich bin völlig anders aufgewachsen als Roxane Gay (weiß, hetero, evangelisch). Dafür genoss sie ein Elternhaus, in dem Bildung als sehr wichtig erachtet wurde (bei mir hieß es, für Mädchen ist das nicht so wichtig). Trotzdem fand ich interessant, aber mehr auf eine Art, wie man fremde Dinge staunend anguckt.

Sie schreibt über Filme, Serien, Bücher, was sie daran wichtig findet, was sie daran stört – und ehrlich, ich kannte fast keines der Werke, die sie da auseinander genommen hat. Vieles davon nicht mal dem Titel nach. Und das waren dann auch die Texte, die ich furchtbar ermüdend fand. Sorry, ich habe weder „Shades of Grey“ gelesen, kenne die „Hunger Games“ nicht und auch „Orange is the New Black“ habe ich nie gesehen (und jetzt reizen mich diese Dinge erst recht nicht).

Zu meinem Glück gibt es auch noch andere Texte. Und die haben mich größtenteils wirklich begeistert, manchmal auch schlucken lassen. Sie beschreibt eigene Erfahrungen, teilweise angedeutet, aber das ist schlimm genug. Sie schreibt über Beziehungen und Reproduktionsrechte, über den alltäglichen Rassismus, der teilweise tödlich ist. Auch über den Feminismus, die unterschiedlichen Strömungen. Das Klischee, das dem Feminismus anhaftet („Alle Emanzen hassen Männer und rasieren sich nicht“) und die daraus resultierende Folgen, das sich viele Frauen nicht als Feministin bezeichnen lassen möchten, weil die als unbequem gelten.

Auch wenn ich es die Essays eher gemischt empfand, kann ich das Buch trotzdem nur empfehlen. Und ich stimme ihr zu: „Lieber eine schlechte Feministin als gar keine.“

OT: Bad Feminist