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Ausräumen, abstauben, einräumen!

Nach längerer Zeit habe ich vor einigen Tagen begonnen, meine Bücherregale auszumisten, abzustauben und anschließend neu einzuräumen. Sortiert habe ich die Bücher nach Genre – von A-Z, wie ich es schon mal hatte, habe ich mich schnell wieder verabschiedet. Verabschiedet habe ich mich vor allem aus dem Bereich der Klassiker – viele der Klassiker habe ich inzwischen auch als ebook und so blieben nur einige, die es nicht elektronisch gibt oder an die einfach hänge. Für Graphic Novels habe ich kein eigenes Regalbrett mehr – es sind eh nicht viele.

Dafür nehmen nun die Sachbücher mehr Platz ein – bzw. es gibt da noch sehr große Lücken, die ich ausfüllen kann. ^^

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Elizabeth Edmondson: A Man of Some Repute

England, 1953. Der Krieg ist vorbei. Und auch die aufregende Laufbahn des Geheimagenten Hugo Hawksworth, der sich nun nach einer Verletzung mit einem Schreibtischjob zufrieden geben muss. Zu seinem größten Missvergnügen befindet sich der Schreibtisch nicht in London, sondern in Selchester, ein kleines Nest einige Stunden außerhalb von London. Zusammen mit seiner jüngeren Schwester Georgia begibt er sich unzufrieden dorthin.

Selchester ist nicht nur ein Dorf, sondern auch eine Burg, Selchester Castle. Und bis vor ein paar Jahren gab es auch noch einen Lord – der allerdings verschwand eines Tages spurlos. Hugo wird auf der verlassenen Burg einquartiert – dort leben nur noch zwei Bedienstete und Freya, die Nichte von Lord Selchester. Kurz nach dem Einzug von Hugo wird zufällig das Skelett des verschwundenen Lord gefunden. Ein Täter wird auch schnell ausgemacht, der zwischenzeitlich verstorbene Sohn. Praktisch für Polizei und Secret Service. Doch weder Freya noch Hugo glauben an eine einfache Lösung.

Es ist ein langsamer, beschaulicher Krimi, daran ändert auch das „Statistikamt“ nichts, in dem Hugo arbeitet. Die Ermittlungen laufen langsam. Sehr langsam. Die Polizei hat kein großes Interesse an dem Fall. Zumal sie auch die Anweisung haben, die ganze Sache schnell und unauffällig zu lösen. Aber auch Hugo und Freya stolpern eher zufällig über Hinweise. Ansonsten ist eher die Umgebung, das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere wichtig: Freya, die an einem Buch schreibt. Hugo, der sehr mit seiner Verletzung und der Versetzung in den Innendienst hadert. Und der die Verantwortung für seine kleine Schwester übernommen hat, die mit 13 Jahren gerade ein Teenager geworden ist. Georgia, die in der High School endlich eine Freundin findet. Die Haushälterin, die sich über weitere Bewohner auf der Burg freut – mehr Bezugsscheine, einfacheres kochen. Trotz oder gerade wegen dieser Beschaulichkeit mochte ich das Buch mit seiner Unaufgeregtheit gerne.

Interessant ist der Hintergrund mit dem MI6 und die zeitliche Einordnung einige Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Viele Dorfbewohner erinnern sich noch daran, wie es früher, vor dem Krieg war, als es noch üblich war, ganze Heerscharen als Personal zu beschäftigen. Aber es ist auch die Zeit, als der Kalte Krieg begann und der MI6 einige Verräter in seinen eigenen Reihen entdeckte. Ich habe übrigens vor einiger Zeit eine Dokumentation auf Netflix gesehen („Secrets of Her Majesty’s Secret Service“), die auch kurz auf die Zeit der 1950er Jahren eingeht – als Hintergrundinformation ist diese recht sehenswert.

Das Buch ist der erste Teil einer Serie, die aus drei Bänden und einer Novelle besteht. Auf deutsch ist dieser Band bereits erschienen, der zweite Band ist geplant. Für Kindle Benutzer kann ich aber nur die englische ebook Ausgabe empfehlen, die Romane kosten – momentan! – nur je 0,99€ (die Novelle ist teurer!).

Deutsche Übersetzung: Der Tote in der Kapelle
Serie: A Very English Mystery #1

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Steve Brusatte: Aufstieg und Fall der Dinosaurier

Erste Assoziationen bei Dinosaurier: T-Rex, Jurrassic Park, riesige Tiere, riesige, ausgestorbene Tiere, Ausgrabungen, Echsen, irgendwas mit Vögeln…aber da gibt es bestimmt mehr zu wissen, oder?

Für jemanden wie mich, die bisher ein nur sehr rudimentäres Wissen über Dinosaurier hatte, ist das Buch wirklich einfach, aber auch spannend geschrieben. Ich hatte zum Beispiel keine Ahnung, das es erst ein Massenaussterben war, das den Aufstieg der Dinosaurier überhaupt möglich machte. Auch, das es nicht nur riesige Dinosaurier gab, sondern auch kleinere Arten, die aber einfach nicht so bekannt, weil nicht so spektakulär sind.

Dazu kommen aber auch noch eingestreute Informationen über die Arbeit der Paläontologen früher und heute, Rivalitäten unter Forschern (wie den „Knochenkrieg“), Grabräuber, etc. Außerdem bekommt man einen Einblick in die Ausgrabungen, die der Autor selber erlebt hat und das es manchmal einfach nur Glück braucht – z.B., wenn sie erst nach Stunden merken, das sie inmitten von Dinosaurier Fußspuren stehen (ich wusste vorher gar nicht, das es die überhaupt gibt).

Sehr spürbar war für mich die Begeisterung des Autors für die Paläontologie. Immer und immer wieder wird das deutlich und gerade das vermacht das Buch noch interessanter. Gleichzeitig macht es aber auch nachdenklich – wenn eine Art wie die Dinosaurier nach so langer Zeit der Herrschaft aussterben konnte, wie mag es dann der Menschheit irgendwann ergehen?

OT: The Rise and Fall of the Dinosaurs

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Ulrike Moser: Schwindsucht. Eine andere deutsche Gesellschaftsgeschichte

Eine Krankheit, viele Namen: Schwindsucht. Motten. Weiße Pest. Morbus Koch. Tuberkulose. Die meisten Namen sind heute nicht mehr gebräuchlich, aber den letzteren sollte jeder kennen. Aber wer hat heute jemanden im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, der Tuberkulose leidet? Wohl die wenigsten. Die TBC ist inzwischen eine Krankheit, die gefühlt selten vorkommt. Zumindest in Deutschland, weltweit sieht das anders aus.

Vor 100, 200 Jahren sah das anders aus. Damals war die Tuberkulose DIE Krankheit schlechthin.

In dem Buch geht es weniger um die Krankheit als solches, vielmehr um den Umgang damit. Und der ist wirklich bemerkenswert, denn zumindest in der Romantik wurde die Krankheit sehr verklärt. Reihenweise siechten die Heldinnen diverser Romane („Effie Briest“, „Anna Karenina“, „Die Kameliendame“) zum Sterben schön dahin. Für die armen Menschen, die ganz und gar nicht romantisch an der Krankheit starben, interessierte sich niemand.

Dann kam die Industrialisierung und die Krankheit erlebte einen Wandel. Jetzt war es nicht mehr die romantische Erkrankung, sondern eine Krankheit des Proletariats. Des unsauberen Proletariats. Man versuchte sich an der Umerziehung, die Arbeiterfrauen sollten saubere Wohnungen pflegen – schwer, wenn 10, 15 Menschen sich ein Zimmer teilen. Ansteckung war da nur eine Frage der Zeit. Es begann die Zeit der Heilstätten – manche für Reiche wie Davos, manche für Arme, die dahin geschickt wurden, um anschließend wieder produktiv zu arbeiten. Viel genutzt hat es nicht.

Am erschütterndsten war jedoch der Umgang im Nationalsozialismus mit den Tuberkulosekranken. Systematisch ausgegrenzt  wurden an ihnen Menschenversuche gemacht, wurden sie durch „Arbeitsprogramme“ bei gleichzeitiger fehlender Nahrung umgebracht – wenn sie nicht schon vorher starben. Die Heilstätten, die es bereits früher gab, wandelten sich jetzt in Foltereinrichtungen.

Heute ist die Tuberkulose behandelbar. Aber es ist eine langwierige Therapie, die Medikamente haben Nebenwirkungen, teilweise gibt es erste Bakterienstämme, die Resistenzen aufweisen. In den afrikanischen Gegenden, die eine hohe AIDS Rate haben fühlt sich auch die TBC sehr wohl.

Leseempfehlung an alle, die sich für Sozialmedizin interessieren!

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Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken

Eines Tages klingelt das Känguru bei Marc-Uwe. Zuerst will es nur Eier für einen Eierkuchen schnorren, dann braucht es Salz, schließlich eine Pfanne und dann stellt es fest, das es gar keinen Herd hat. So macht Marc-Uwe schließlich die Eierkuchen selber.

„Ach, mein, dein. Das sind doch bürgerliche Kategorien.“

Klingt völlig absurd und bescheuert? Ist es auch. Völlig überspitzt erzählt Marc-Uwe vom Zusammenleben mit dem Känguru. Das war früher beim Vietcong, frisst sämtliche Schnapspralinen und hat eine Vorliebe für Nirvana (die Band, nicht das Jenseits). Die Gespräche der beiden drehen sich um den Kapitalismus, den Sozialismus und Klingeltöne. Oder so.

Das Hörbuch erzählt keine zusammenhängende Geschichte. Stattdessen sind es einzelne Episoden und in den meisten streiten sich die beiden: über Klingeltöne, Wortspiele, Ikea oder – natürlich – den Kapitalismus als solches. Gesprochen wird das Hörbuch vom Autor selber und spätesten da macht es sich bemerkbar, dass der Autor auch Kabarettist und Kleinkünstler ist. Es handelt sich dabei übrigens um eine Live Aufnahme, die Reaktionen des Publikums unterstützen die Absurdität des Inhaltes noch.

Mir hat es ungeheuren Spaß gemacht, Marc-Uwe und dem Känguru zuzuhören. Allerdings habe ich meine Mitmenschen durch lautes Lachen und Kichern in der Öffentlichkeit mehrmals ziemlich irritiert…

Sprecher: Marc-Uwe Kling / ungekürztes Hörbuch

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5* Bücher des 2. Halbjahres 2018

Nachdem ich vor einigen Monaten ein Beitrag mit den besten Büchern des ersten Halbjahres veröffentlichte, muss es nun natürlich auch einen für das zweite Halbjahr geben. Es sind wieder 5 Bücher, die ich auf Goodreads mit 5 ***** bewertet habe. In zeitlicher Reihenfolge sind das

„Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will, was er will.“ von Sandra Konrad. Ein Sachbuch, das einen Blick auf die weibliche Sexualität wirft. Sehr gut geschrieben!

„Rumo & Die Wunder im Dunkeln“ von Walter Moers – dazu muss ich nicht mehr sagen, oder? Ich mag Zamonien, ich mag Rumo und natürlich ist das Buch beim dritten (?) lesen noch immer sehr gut.

„Mister Weniger“ von Andrew Sean Greer. Ein Roman über einen mittelalten, weißen Mann von durchschnittlichem Aussehen und durchschnittlichem Talent, der immer wieder in diverse Fettnäpfchen tritt. Wunderbar.

„Im Herzen der Gewalt“ von Édouard Louis – ähnlich lakonisch wie schon sein erstes Buch, aber noch bedrückender. Schwere Kost, aber phantastisch geschrieben.

„Russland. Die Tragödie eines Volkes.“ von Orlando Figes. Und noch ein Sachbuch, diesmal eines über die russische Geschichte, speziell für die Zeit um die russische Revolution herum. Das Taschenbuch hat über 1000 eng bedruckte Seiten in kleiner Schrift, weshalb ich hier auch das ebook genommen habe. Fast 3 Monate hat mich das Buch in Beschlag genommen und es ist wirklich eine sehr ausführliche Schilderung, die noch dazu nicht trocken war. Hervorragend!

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BuchSaiten – BlogParade: Jahresabschluss 2018

Wie immer, die lieb gewonnene Tradition zur Jahreswende: die Buchsaiten Blogparade, veranstaltet von Die Liebe zu den Büchern! Wie jedes Jahr – fünf Fragen, fünf Antworten.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

„Die Leute von Nr. 37“ von Fran Cooper. Ein Buch aus der Bücherei, das ich ausgeliehen hatte, weil es einfach nett klang (ich habe es mir übrigens inzwischen sogar selber gekauft). Bekommen habe ich dann ein Buch, das mich mit den Themen Faschismus, Wut und Angst völlig überrascht hat – aber auf eine sehr positive Art.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)

„The Future is female“ – eine Sammlung verschiedener Essays über den Feminismus. Auf das Buch hatte ich mich sehr gefreut und manche Texte fand ich auch sehr inspirierend. Andere waren leider belangloser, vieles wiederholte sich immer wieder. Ich glaube, ich bevorzuge da einfach weniger Autoren, dafür aber längere Texte.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Marg McAlister. Mit dieser Frage habe ich mich sehr schwer getan – es schien niemand speziellen zu geben. Doch dann entdeckte ich diese Autorin, die gemütliche Cozy Crime schreibt. Und habe fast in einem rutsch eine eine ganze Reihe an kurzen, meist harmloseren Krimis gelesen. Ideal zum Abschalten.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

„Der Sonnenschirm des Terroristen“. Ich mag einfach das Spiel zwischen den düsteren Farben, den bedrohlichen Flammen – und dann als Gegensatz der fröhliche Sonnenschirm.

Welches Buch wollt ihr unbedingt 2019 lesen und warum?

„Wer hat meinen Vater umgebracht“ von Édouard Louis. Ich habe letztes Jahr schon die anderen beiden Bücher des Autors gelesen, die mich sehr beeindruckt haben. So bin ich sehr gespannt, wie sich der Autor hier weiter entwickelt.